Eine (fast) ganz normale Woche

Heute ist ein besonderer Tag. Nein, ich meine nicht wegen des Beginns der Karnevalszeit – obwohl ich aus einer Karnevalshochburg stamme, in der jedes Jahr am 11.11. um Punkt 11:11 Uhr der sogenannte Hoppediz erwacht, ist mir das herzlich egal. Es gibt da zwei wichtigere Dinge an diesem Tag. Erstens ist heute Stephans Geburtstag. Nur dumm, dass zeitlich und finanziell leider kein Kurzbesuch in Deutschland zu diesem Anlass für mich drin war. Aber an dieser Stelle nochmal: Palju õnne sünnipäevaks (viel Glück zum Geburtstag)! :) Zudem ist hier in Estland heute isadepäev, also Vatertag. Der wird hier immer am zweiten Sonntag im November gefeiert. Deshalb geht ein besonderer Gruß an meinen Vater, ohne den ich Estland wahrscheinlich nie kennengelernt hätte.

Abgesehen von ihrem besonderen Sonntag war diese Woche aber ziemlich normal und unspektakulär. Im Archiv war ich die meiste Zeit mit den Testamentslisten beschäftigt. Morgen soll ich eine neue Aufgabe bekommen, es geht irgendwie um Fotos in Akten, klingt ganz spannend. Mal sehen, was da genau auf mich zukommt. Letzten Sonntag hatte eine Kollegin aus meiner Abteilung Geburtstag, was Anne, Tiiu, Kalev und ich mal wieder nicht mitbekommen hatten. Weil es aber ihr 30. Geburtstag war, wollten wir nicht ohne Geschenk dastehen. Kalev suchte dann fieberhaft in den Regalen in unserem Büro nach einem passenden Buch, da wir auch keine Zeit mehr hatten, Blumen oder Schokolade zu besorgen. Letztendlich schenkten wir ihr das deutsche Buch „Schöne Burgen in Europa : eine philatelistische Entdeckungsreise“. Sie hat sehr gelacht. Ansonsten gibt es kaum was zu erzählen. Eigentlich wollte ich mal wieder etwas zu einem bestimmten Thema schreiben, so wie hier zum Thema Einkaufen und Essen in Estland, aber ich wusste nicht, zu welchem Thema. Ich würde sowas aber gerne mal wieder machen, Themenvorschläge per Kommentarfunktion sind also willkommen.

Tja, und nun ist auch schon wieder Sonntag Abend. Merit war übers Wochenende wieder mal bei ihren Verwandten, da ihre Uroma Geburtstag hatte. Ich selbst war am Wochenende zwei Mal laufen, habe Marmelade gekocht (die Preiselbeeren, die mir eine Kollegin geschenkt hatte, wollten verbraucht werden), gelesen, ein bisschen Estnisch gelernt und das trockene, teils sogar sonnige, aber kühle Wetter genossen. Die Luft ist bei den jetzigen Temperaturen (um die 0 Grad) richtig schön klar, super Wetter zum Laufen (wenn man die richtigen Klamotten und eine Mütze hat). Und zum Spazierengehen, was ich heute auch getan habe, natürlich in Begleitung meiner Kamera. Und so kann ich diesen ansonsten doch eher weniger spannenden Eintrag noch „retten“, indem ich Fotos hochlade. Übrigens habe ich heute auch angefangen, was ich mir schon lange vorgenommen hatte, und zwar eine Fotoserie zum Thema „Street Art in Tartu“ zu erstellen. Man entdeckt hier nämlich an vielen Ecken tolle Graffitis und andere Formen der Wandverzierung (bitte verzeiht mir, wenn ich irgendwas fälschlicherweise als Graffiti bezeichne, was keins ist, ich kenne mich da nicht aus). Die Bilder, die ich dazu heute gemacht habe, werde ich im Laufe der folgenden Woche gesondert hochladen, und irgendwann gibt es dann auch eine Fortsetzung mit Bildern aus anderen Teilen der Stadt – falls ich es nicht vergesse.

Aber hier nun erstmal die Bilder von heute, die größtenteils in der unmittelbaren Umgebung unserer Straße entstanden sind. Hauptsächlich wurden sie auf der J. Kuperjanovi gemacht, einer Straße, die ich schon als Kind entlang gelaufen bin, denn dort befindet sich das Eesti Rahva Muuseum (Estnisches Nationalmuseum), in dem man unter anderem die Trachten der 15 estnischen Landkreise sehen kann. Obwohl sie weder besonders lang noch besonders spektakulär ist, mag ich diese Straße und ihre Häuser irgendwie sehr. Und ich fotografiere ja sowieso gerne Häuser, wie man vielleicht schon gemerkt hat.

Der Tartuer Bahnhof – keine zwei Minuten von unserer Wohnung entfernt
Der Bahnhof wurde diesen Sommer umgebaut und kurz nach meiner Ankunft neu eröffnet
Biegt man, von unserer Wohnung kommend, am Bahnhof links ab, ist man schon auf der J. Kuperjanovi. Sie wurde nach dem estnischen Militär Julius Kuperjanov (1894-1919) benannt.

Ein Gästehaus

Nicht nur in Haapsalu gibt es einen Eisbären, sondern auch gleich hier um die Ecke.

Vögel sind in Tartu irgendwie allgegenwärtig.

Das Miina Härma Gümnaasium. Miina Härma (1864-1941) war eine Komponistin und Musiklehrerin, die an diesem Gymnasium unterrichtete.
Da hat wohl ein Schüler seinen Handschuh vergessen.
Eesti Rahva Muuseum
Auf der Kastani, einer Seitenstraße der Kuperjanovi
Heute war einer der Tage, an dem man eine estnische Fahne raushängen sollte

In diesem Haus befinden sich ein Schönheits- und Sportzentrum sowie ein „vanakraami äri“, also ein Geschäft für – wörtlich – alten Kram
Plakatwand mit aktuellen Veranstaltungen in Tartu. Auf das Konzert der Bands Viikate und Kosmikud gehe ich nächste Woche mit Merit. Schwarze Müllsäcke wie diesen sieht man momentan in der ganzen Stadt, die sind voller Laub. Sieht nicht besonders toll aus.

Diese Kirche erinnert mich an isländische Kirchen, die auch oft etwas extravagante Formen haben
Dieses Denkmal steht nur wenige Meter vom Archiv entfernt, im Hintergrund sieht man die Teufelsbrücke, hinter der es in die Altstadt geht

Ja, das war es dann auch schon wieder. Fehlt nur noch der Song der Woche. Dieser kommt dieses Mal von der dänischen Band Nephew, die ich schon kenne und mag, seit ich 14 bin. Manches bleibt eben, wie es ist, auch wenn man älter wird. Genau wie meine Liebe zu Estland. Gut, ich gebe zu, dass ich, vor allem als Teenager, nicht immer begeistert war, wenn meine Eltern Anfang des Jahres ankündigten, dass es im Sommer wieder nach Estland gehen würde (vier Wochen Urlaub mit der Familie in einem Land, das man schon kennt, in einem Haus, in dem wir in den ersten Jahren Holz hacken und Feuer machen mussten, um warm duschen zu können – was kann es für einen pubertierenden Jugendlichen Langweiligeres geben?), aber heute weiß ich, dass ich ohne regelmäßige Aufenthalte in Estland nicht wirklich glücklich wäre. Und so würde ich gerne an dem Text des nun folgenden Songs eine kleine Änderung vornehmen: „Jeg vil gerne gå med dig, vi skal gå til Rom Tartu.“

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5 Gedanken zu “Eine (fast) ganz normale Woche

  1. Das mit der StreetArt klingt voll gut. Das würde ich an deiner Stelle echt mal machen. Das würde ich auch mal gerne machen :) Aber ich hab dafür leider nicht viel Zeit.

  2. Oh! Vielen Dank für den netten „Vatertagsgruß“ . . .
    Was die Verlegenheit, noch schnell ein Geburtstagsgeschenk (für die Kollegin) zu finden, betrifft: Hat nicht die Laura mal irgendwen mit dem äußerst verlockend klingenden Buchtitel „Liechtenstein 1978“ beschenkt?

    1. Ja, den Alex, und daraus entstand doch dann die Tradition der beiden, sich gegenseitig „Mistbücher“ zu schenken. Ich erinnere nur an den „Döner-Atlas“ oder das 40er-Jahre-Werk „Kleintierzucht und -haltung“.

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