Blau-schwarz-weiß

Wie bereits erwähnt: der Winter ist da! Und zwar seit Mittwoch, als es den ganzen Tag geschneit hat. Am Donnerstag kam dann ein ziemlich heftiger Schneesturm dazu. Es kamen zwar nur sehr kleine Flocken vom Himmel, aber nach zwei Tagen Dauerschnee hatte sich trotzdem eine ganz schöne Menge gesammelt. Inzwischen ist es nicht mehr ganz so viel, da viele Räumfahrzeuge im Einsatz waren (auch hier auf unserer kleinen Straße), aber am Freitag war es mehr Schnee, als ich je zuvor live gesehen hatte. Da ich ja aus einer Gegend in Deutschland komme, in der es nicht oft und nicht viel schneit und der Schnee selten liegen bleibt, und da mein erster Winter in Stuttgart letztes Jahr eigentlich nur kalt, aber nicht gerade schneereich war, habe ich mich sehr über diese große Menge gefreut. Zum Glück habe ich auch Schuhe gefunden, die warm und schneefest sind, und dazu auch gar nicht schlecht aussehen. Den Härtetest, also den Trip nach Lappland, müssen sie allerdings erst noch bestehen.

Den ersten Schnee erlebten Merit und ich in Tallinn, als wir am Mittwoch Morgen dort im Hostel aufwachten. Am Dienstag Mittag waren wir mit dem Bus in die Hauptstadt gefahren, nachdem wir hatten feststellen müssen, dass nur am Wochenende auch mittags ein Zug fährt. Wir hatten lange nach einer günstigen Übernachtungsmöglichkeit in der Nähe des „Klubi Tapper“ gesucht, in dem am Dienstag Abend das Konzert der irischen Band God Is An Astronaut stattfand. Da nach 23 Uhr in Tallinn keine oder nur noch sehr wenige öffentliche Verkehrsmittel fahren, wollten wir etwas in Fußreichweite finden. Leider mussten wir feststellten, dass das nächstgelegene Hostel dasjenige war, in dem Stephan und ich im Sommer nach unserer Ankunft übernachteten – aber nah war das wirklich nicht. Laut Google Maps betrug die Strecke etwa 4 Kilometer, aber wir reservierten trotzdem ein Zimmer dort, da alles andere noch viel weiter weg gewesen wäre. Das war ein ganz schöner Fußmarsch, wir waren fast eine Stunde unterwegs, vorbei an Wohnhäusern, Bahngleisen, Tankstellen und Einkaufscentern, aber zum Glück war es nicht besonders kalt und der Schnee kam ja auch erst am Tag danach. Im „Tapper“ trafen wir uns dann mit Richard und seinem ukrainischen Freund Denys, der auch Erasmus-Student in Tartu ist.

Für die Band war es im zehnten Jahr ihres Bestehens das allererste Konzert in Estland überhaupt, und es war, mit einem Wort, großartig! God Is An Astronaut spielen rein instrumentalen Postrock, weshalb ich ein bisschen befürchtet hatte, dass mir bei einem Live-Konzert der Gesang fehlen würde, aber dem war nicht so, ich fand es einfach toll. Leider bin ich nicht besonders gut darin, solche Dinge mit Worten zu beschreiben, aber sagen wir einfach: Es war ein Konzert, das ich mit einem Lächeln verließ. Nach dem Konzert unterhielten wir uns noch kurz mit Jamie, dem Keyboarder der Band, der auch unsere Tickets signierte. Dann wollte ich noch ein Bandshirt kaufen, für Stephan, der sehr gerne mitgekommen wäre zu dem Konzert, aber leider hatte ich genau 2 Euro zu wenig in bar dabei. Richard spendete mir dann noch sein letztes Kleingeld, aber trotzdem fehlten mir noch etwa 80 Cent. Merit und Richard schlugen vor, dass ich die beiden T-Shirt-Verkäufer einfach mal fragen sollte, ob ich auch dafür ein Shirt bekommen könnte. Es handelte sich bei den Verkäufern um zwei Herren um die 60, die irgendwie streng aussahen. Aber nach einer Weile habe ich mich dann doch getraut, sie zu fragen, und siehe da – sie waren total nett, gaben mir das Shirt für 2 Euro weniger, schüttelten mir die Hand und sagten, sie hofften, dass das Shirt meinem Freund gefallen wird. Tut es auch, er hat es über Skype schon gesehen. Tja, Iren sind eben nette Menschen (Carmen, du kannst das wahrscheinlich bestätigen). Das war also ein sehr schöner Abend, nach dem Merit und ich dann wieder den Fußweg zum Hotel antraten. Geld für Bus oder Taxi hätten wir ja sowieso nicht mehr gehabt. Richard und Denys übernachteten bei einem Freund in der Altstadt und hatten auch das Glück, noch einen Bus dorthin zu erwischen. Müde, aber glücklich kamen wir schließlich im Hostel an und erwachten morgens im eingeschneiten Tallinn, von wo es mit dem Bus wieder zurück nach Tartu ging, wo wir dann noch den halben Tag arbeiteten.

Vor einer Woche schrieb ich ja noch, dass ich gar nicht in Weihnachtsstimmung sei. Das hat sich durch den Schnee inzwischen geändert. Ich habe sogar in einem Anfall von Weihnachtsvorfreude gestern bereits alle Weihnachtsgeschenke gekauft. Ich glaube, das hab ich noch in keinem Jahr zuvor geschafft. Natürlich kann ich hier nicht schreiben, was ich für Stephan und meine Familie gekauft habe, aber so viel sei verraten: Es wird estnisch unterm Weihnachtsbaum! Seit Freitag ist nun übrigens auch Tartu im „Weihnachtsdress“, wie ihr auf den nun folgenden Fotos sehen könnt, die ich heute gemacht habe:

Mein Arbeitsplatz mit weißen Schneemützchen
Mein Arbeitsplatz mit weißen Schneemützchen

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So tief sinkt man an manchen Stellen ein. Und wie ihr seht - ich habe Winterschuhe gefunden. =)
So tief sinkt man an manchen Stellen ein. Und wie ihr seht – ich habe Winterschuhe gefunden. =)
Die Inglisild (Engelsbrücke) im Schnee
Die Inglisild (Engelsbrücke) im Schnee

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Auf dem Raekoja Plats (Rathausplatz)
Auf dem Raekoja Plats (Rathausplatz)

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Das Kaubamaja (Kaufhaus), eins der großen Shoppingcenter in Tartu
Das Kaubamaja (Kaufhaus), eins der großen Shoppingcenter in Tartu
Auf der Küüni (Nagelstraße)
Auf der Küüni (Scheunenstraße)
Blick von der Engelsbrücke auf die Lossi, die in die Altstadt führt
Blick von der Engelsbrücke auf die Lossi (Schlossstraße), die in die Altstadt führt
Das Vanemuine-Theater (benannt nach einer Figur aus der estnischen Mythologie)  im Dunkeln
Das Vanemuine-Theater (benannt nach einer Figur aus der estnischen Mythologie) im Dunkeln

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Weihnachtsdeko auf dem Rathausplatz
Weihnachtsdeko auf dem Rathausplatz
Einen Tannenbaum gibt's nun auch
Einen Tannenbaum gibt’s nun auch

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Die Beleuchtung am Hauptgebäude der Uni finde ich ziemlich kitschig und viel zu viel
Die Beleuchtung am Hauptgebäude der Uni finde ich ziemlich kitschig und viel zu viel

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Weihnachtsbäumchen vor dem historischen Museum der Uni auf dem Domberg
Weihnachtsbäumchen vor dem historischen Museum der Uni auf dem Domberg

Im Dunkeln finde ich es draußen gerade besonders schön. Der Himmel ist schwarz, der Schnee ist weiß, und die Weihnachtsbeleuchtung am Rathausplatz ist blau – Estlandfarben. Die Tatsache, dass es hier inzwischen gegen 16 Uhr dunkel wird, hat eben auch ihre Vorteile. Und es wird bald noch früher. In den Studenten-Akten, über die ich hier schrieb, fand ich ein Kalenderblatt vom 03.01.1934, auf dem eingetragen war, wann die Sonne auf und unter ging – Aufgang um 09:17 Uhr, Untergang um 15:24 Uhr. Die Tage werden also immer kürzer, aber ich muss sagen, jetzt in der Weihnachtszeit macht mir das kaum etwas aus. Und bei derzeit etwa -5 Grad lässt es sich auch gut draußen aushalten.

Jetzt gibt es noch den Song der Woche, natürlich von God Is An Astronaut, und eine Ankündigung: Noch vor dem Lappland-Trip, also vor Donnerstag, werde ich den zweiten Teil der Serie „Tartu Street Art“ online stellen. Damit ihr auch was zu gucken habt, während ich den Weihnachtsmann besuche. Der Song trägt den Titel „Fire Flies And Empty Skies“ und war am Dienstag der allerletzte Song, den die Band spielte – ein besonderes Higlight ganz zum Schluss. Das Video, das ich euch hier zeige, hat ein Este gemacht – in Vorfreude auf ebendieses Konzert am Dienstag (die verwendeten Aufnahmen stammen allerdings aus Norwegen).


2 Gedanken zu “Blau-schwarz-weiß

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