Neujahrsbesuch

Nachdem ich am vergangenen Dienstag vom Tallinner Flughafen nach Tartu gefahren war, machte ich mich nur zwei Tage später wieder auf die Reise in die entgegengesetzte Richtung, um Sonja abzuholen. Sonja und ich haben früher in Trier zusammen studiert und eigentlich in jeder Vorlesung zusammen gesessen, aber da sie inzwischen in Bonn wohnt und ich ja in Stuttgart (beziehungsweise momentan hier), sehen wir uns nur noch unregelmäßig. Deshalb hab ich mich sehr gefreut, dass sie in meinem letzten Monat hier noch zu Besuch gekommen ist. Und dass sie mir für diesen Eintrag einige Bilder zur Verfügung gestellt hat.

Zuerst sind wir ins „Academic Hostel“ gefahren, wo ich dann zum dritten Mal in den letzten fünf Monaten übernachtet habe.

Unser Zimmer im Hostel
Unser Zimmer im Hostel
Blick aus unserem Zimmerfenster - wie ihr seht, es ist wieder alles schön weiß hier in Estland
Blick aus unserem Zimmerfenster – wie ihr seht, ist wieder alles schön weiß hier in Estland

Am nächsten Morgen ging es dann in die Altstadt, wo man gar nicht merkte, dass die Weihnachtszeit eigentlich schon vorbei ist. Der Weihnachtsmarkt wird erst heute abgebaut, alles ist noch dekoriert (in Tartu übrigens auch), und die Weihnachtsbimmelbahn wird noch immer von einem Weihnachtsmann durch die Gassen gefahren. Bei etwa 0 Grad zeigte ich Sonja die wichtigsten Sehenswürdigkeiten, zwischendurch stärkten wir uns mit gutem lettischen Essen im „Lido“, und bestiegen zum Schluss noch den Toompea (Domberg), von dem man allerdings wegen des Nebels kaum etwas sehen konnte.

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Nachmittags ging es mit dem Zug nach Tartu. Mit der Edelaraudtee (Südwest-Eisenbahn, eine der estnischen Bahngesellschaften) konnte ich Sonja nicht beeindrucken, da die neuen, ganz modernen Züge wohl erst ab dem Sommer fahren werden. Wie Merit mir erzählte, werden sie aber zur Zeit schon getestet, so dass man vielleicht vorher schonmal einen irgendwo fahren sehen kann. Sollte ich zufällig einen sehen und meine Kamera dann dabeihaben, werde ich natürlich ein Bild machen, ansonsten könnt ihr euch die neuen Züge hier schon einmal ansehen.

Wir haben dann noch einen abendlichen Stadtrundgang gemacht und im Sõbrade Juures (Bei Freunden), einem Café am Rathausplatz etwas getrunken und viel geredet.

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Am Rathaus kann man noch alle geöffneten Adventskalender-Fenster sehen
Am Rathaus kann man noch alle geöffneten Adventskalender-Fenster sehen

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Das schiefe Haus von Tartu, in dem sich eine Kunstgalerie befindet
Das schiefe Haus von Tartu, in dem sich eine Kunstgalerie befindet

Auch den Samstag haben wir hier in Tartu verbracht. Sonja hatte bis dahin ja alles nur im Dunkeln gesehen, so dass wir den Stadtrundgang noch einmal machten.

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Der Emajõgi ist fast komplett zugefroren
Der Emajõgi ist fast komplett zugefroren

Wir gingen unter anderem auch in den botanischen Garten, wo allerdings alle Pflanzen momentan unter einer Schneedecke schlafen. Um uns aufzuwärmen, besuchten wir das Mänguasjamuuseum (Spielzeugmuseum). Das befindet sich in einem schönen Holzhaus in der Lutsu (der nach dem Schriftsteller Oskar Luts benannten Straße). Es gibt darin leider ziemlich wenig Infos darüber, aus welcher Zeit die gezeigten Spielsachen stammen, und als Erwachsener, der nicht begeistert vor jeder einzelnen Puppe stehen bleibt, ist man auch ziemlich schnell durch, aber es ist trotzdem einen Besuch wert. An mehreren Stellen kann man auch selber spielen, und unter dem Dach gibt es sogar eine mängutuba (Spielstube), die man nur auf Socken betreten darf.

"Koffer voller Kindheitsgeschichten"
„Koffer voller Kindheitsgeschichten“
Die tolle Tartu-Modelleisenbahn mit dem  Schneckenturm-Modell
Die tolle Tartu-Modelleisenbahn, die man für 50 Cent fahren lassen kann
Ein schönes Haus auf der Lutsu
Ein schönes Haus auf der Lutsu

Nachmittags gingen wir noch gemeinsam mit Merit ins Rahvamuuseum (Nationalmuseum), das nicht weit von unserer Wohnung entfernt liegt. Irgendwie hatte ich die Ausstellung darin größer in Erinnerung, wir waren ziemlich schnell fertig. Aber genau wie früher gibt es dort immer noch eine Menge Schränke mit vielen einzelnen Schubladen, in denen traditionell gemusterte Handschuhe, Gürtel, Kopftücher etc. liegen. Abends gingen Sonja und ich wieder etwas trinken, dieses Mal im Café Armastus (Café Liebe), wo man einen Tee für einen Euro bekommt und die Passanten auf der Rüütli (Ritterstraße) beobachten kann.

Am Sonntag machten wir uns mit dem Bus auf nach Viljandi, also in die sechstgrößte Stadt Estlands, über die ich hier schon einmal schrieb. Auf der Busfahrt konnte man auf die schöne eingeschneite Landschaft schauen. Mir war nicht bewusst gewesen, dass der 6. Januar in Estland als Feiertag gilt. Obwohl hier ja sonst sonntags alles geöffnet ist, waren in Viljandi einige Geschäfte zu, und auch im Café Viljandi konnte man an diesem Tag ausnahmsweise keine Zimtschnecken essen. Da zudem die Temperatur auf -6 Grad gefallen und es an vielen Stellen rutschig war, besuchten wir eigentlich nur kurz die Hauptattraktion der Stadt, die Burgruinen, und fuhren ziemlich bald schon wieder zurück nach Tartu.

Jaani Kirik Burg Ruinen

Der Viljandi-See, komplett zugefroren.
Der Viljandi-See, komplett zugefroren
Es ist gar nicht so leicht, sich klarzumachen, dass das kein Fluss ist, sondern ein See
Es ist gar nicht so leicht, sich klarzumachen, dass das kein Fluss ist, sondern ein See
Eine Erdbeere im Schnee
Eine Erdbeere im Schnee
Typische Häuser auf der Tallinna
Typische Häuser auf der Tallinna
In der Innenstadt
In der Innenstadt
Wegweiser mit den Partnerstädten von Viljandi
Wegweiser mit den Partnerstädten von Viljandi

Den Rest des Tages verbrachten wir dann zu Hause, da wir in den letzten Tagen schon so viel rumgelaufen waren, und Sonja sich auch nicht so recht an die Kälte gewöhnen konnte. Sie hatte aber noch Glück, so richtig kalt (-15 Grad) wird es erst wieder im Laufe der Woche. Gestern musste ich dann arbeiten und Sonja flog wieder zurück nach Deutschland. Nach einer langen Reise ist sie inzwischen wieder gut in Bonn angekommen. Da war er also leider schon vorbei, der vorletzte Besuch, bevor ich selbst wieder nach Deutschland zurückkehre.

Im Archiv habe ich nun nur noch acht Tage vor mir. Gestern habe ich gelernt, dass es unter Esten den Aberglauben gibt, dass es Unglück bringt, jemandem nach dem 06. Januar noch ein frohes neues Jahr zu wünschen, aber trotzdem hörte man gestern noch einige „Head uut aastat!“-Rufe. In unserem Büro gab es auch eine kleine Neujahrs-Feier unserer Abteilung mit Kaffee und Kuchen. Ich muss allerdings sagen, dass ich mich inzwischen sehr auf das Ende des Praktikums freue, denn wirklich viel zu tun habe ich nicht, ich kann eigentlich nur noch die Übersetzung komplett zu Ende bringen. Der Vorrat an deutschen Briefen, die ich bearbeiten könnte, scheint zwar unerschöpflich, aber da ich das ja schon monatelang gemacht habe, habe ich wenig Lust darauf. Naja, die acht Tage werden sicher auch so schnell vorbeigehen, und ich wette, ich bin am Ende doch traurig, wenn mein Praktikum zu Ende ist.

Bald gibt es übrigens einen dritten (und wahrscheinlich letzten) Teil von „Tartu Street Art“, wobei ich da auch ein paar Graffitis aus Tallinn hinzufügen werde. Allerdings hat Tartu in Sachen Street Art deutlich mehr zu bieten als die vier Mal größere Haupstadt.

Zum Schluss noch der Song der Woche, von Friska Viljor, wie könnte es in einer Woche mit Sonja-Besuch auch anders sein? ;) „Monday“, bitteschön. Der Sound in dem Video ist nicht die allertollste Qualität, aaaaber es wurde bei dem Konzert in Stuttgart im November 2011 gedreht, auf dem ich mit Stephan, Lisa und Carmen war, und deshalb musste ich es einfach auswählen.

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4 Gedanken zu “Neujahrsbesuch

  1. Wieder mal ein schöner Bericht.
    Drei Dinge fallen mir dazu ein:
    1. Die neuen Züge . . . sind im Internet alle mit der Aufschrift „Elektriraudtee“ (also Tallinner Vorort- und Regionalbahn) versehen. Komisch. Die Strecken über Land werden aber doch von der „Edelaraudtee“ bedient! Mal sehen, wer da welche Züge bekommt. Aber ein Quantensprung in pucto Reisekomfort wird es in jedem Falle sein.
    2. Im Spielzeugmuseum . . . gibt es eine Spielekoffer mit der „Estland-Rundreise“ im Deckel. Hast Du bemerkt, dass da noch die alte (Vorkriegs-)Gliederung des Landes zugrunde gelegt ist? Tartumaa war einst viel größer, reicht weiter nach Norden. Heute existiert dort Jõgevamaa als neugeschaffener Landkreis. Und Virumaa ist auch noch nicht in West- (Lääne-Virumaa) und Ost- (Ida-Virumaa) unterteilt. An anderen Stellen kann man es nicht so gut erkennen.
    3. Herrlich . . . die Modellbahn mit ziemlich echt aussehenden Gebäuden aus dem Tartuer Stadtbild (Bahnhof, Wasserturm, spiralförmiges Hochhaus etc.). Nur die kühnen Eisenbahnviadukte kreuz und quer durch die City sind ein wenig befremdlich.

    1. Das mit der Elektriraudtee war mir auch aufgefallen, aber ich denke, dass die Edelaraudtee die gleichen oder zumindest modellgleiche Züge bekommen wird. Habe jedenfalls nichts Gegenteiliges gehört oder gelesen. Werdet ihr ja im Sommer selbst sehen können!
      Natürlich war mir das mit der Gliederung aufgefallen. Ich war ja im November mit einigen Kollegen in Tallinn bei einigen Institutionen, die mit Landkarten zu tun hatten, spätestens seitdem kenne ich die Karte von Estland wirklich sehr gut.
      Das spiralförmige Hochhaus wird unter Tartuern übrigens „tigutorn“, also Schneckenturm, genannt.

  2. Hihi, schön!

    Und jetzt kommt das Allerkrasseste: Monday wollte ich am Donnerstag auch erst posten, als Lied dafür, dass es nach Estland zu dir geht!!! Das ist gruselig.

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