Vom Winter Wonderland ins Regenreich

Da bin ich also zurück in Deutschland. Am Donnerstag Abend sind wir in Frankfurt gelandet, nach einem sehr wackligen Flug. Während des Landeanflugs war es sehr stürmisch und man sah einen Blitz nach dem anderen, aber zum Glück ging trotzdem alles glatt. Zwar war dieses Mal der Temperaturunterschied für mich nicht so groß wie bei meinem Weihnachtsbesuch hier, da es in Tartu am Mittwoch deutlich wärmer geworden war, so dass es anfing zu tauen, aber an den Regen musste ich mich erstmal wieder gewöhnen. Und überhaupt daran, wieder hier zu sein, und das nun dauerhaft. Ein komisches Gefühl, ich habe mich noch nicht ganz davon überzeugen können, dass mein Zimmer in Tartu nun leergeräumt ist und neu bezogen wird. Tartu und ganz Estland fehlt mir auf jeden Fall jetzt schon sehr, und das nicht nur, weil es hier dauernd regnet, seit ich wieder da bin. Mein „Abenteuer“, wie Laura es immer bezeichnet hat, ist also nun endgültig vorbei. Traurig, aber ich freue mich auch auf alles, was hier nun bevorsteht, vor allem auf den Umzug in die neue Wohnung, der Ende des Monats endlich ansteht.

Die letzte Woche in Tartu war toll. An dem Freitag nach Stephans Ankunft waren wir nachmittags mit Merit im Trükimuuseum (Druckmuseum). Dort kann man selbst Schreibblöcke bedrucken, mit Hilfe von Druckplatten und alten Maschinen. Zwei Mitarbeiter haben uns auf Englisch alles erklärt und so haben wir uns Souvenirs gemacht. Leider konnten Stephan und ich aus Gewichtsgründen nicht mehr bedrucken als einen Block pro Person, ansonsten hätten wir noch einige Geschenke mitgebracht. Also, solltet ihr mal nach Tartu kommen, geht auf jeden Fall in dieses kleine, unscheinbare Museum! Man zahlt 5 Euro und dafür gibt es sozusagen „all you can print“, man kann auch noch Postkarten und einige andere Sachen selbst machen. Hier seht ihr unsere Werke, den oberen Block hat Stephan gemacht und der untere ist meiner:

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Ein weiteres Highlight in dem Museum ist Johannes Gutenberg, der schwarzweiße Museumskater. Er hat ein Namensschild und einen eigenen Schreibtisch plus Schreibtischstuhl, den er auch als Kratzbaum benutzt. Eine Facebookseite hat er auch.

Johannes Gutenberg fand es ganz toll, an Stephans Festivalbändchen zu kauen
Johannes Gutenberg fand es ganz toll, an Stephans Festivalbändchen zu kauen

Samstag Morgen ging es für Stephan und mich dann nach Pärnu. Wir wollten uns die Sommerhauptstadt im Winter ansehen und haben uns deshalb für eine Nacht im Hommiku Hostel in der Innenstadt eingemietet. Wir hatten ein Zimmer mit Balkon, von dem aus man auf die Rüütli, die Hauptgeschäftsstraße von Pärnu, schauen konnte.

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Auch wenn es auf dem Bild nicht danach aussieht, war gar nicht mal so wenig los in der Stadt. Im Gegensatz zum Herbst, in dem mir Pärnu wie ausgestorben vorkam, waren jetzt Ende Januar doch einige Leute unterwegs, auch Touristen, vor allem aus Finnland und Russland. Wir haben dann einen kleinen Schneespaziergang gemacht. Pärnu ist auch im Winter wunderschön.

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Am Strand waren wir auch. Es war extrem windig und kalt, aber das hielt uns nicht davon ab, auf der zugefrorenen Ostsee herumzulaufen. Dort waren außer uns noch einige andere Leute unterwegs, teils sogar mit dem Auto. Auch ein paar Kitesurfer haben wir gesehen, die sich jetzt statt über das Wasser einfach über das Eis ziehen ließen.

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Wie auch schon im Dezember in Oulu war es ein irres Gefühl, auf dem Meer zu laufen, aber dieses Mal konnte man es auch richtig wahrnehmen, da es noch hell war. Abends waren wir noch etwas essen und am Sonntag ging es mittags wieder zurück nach Tartu.

Am Montag nahmen wir morgens einen Bus nach Otepää, das wir schon immer mal im Winter sehen wollten, schließlich ist es Estlands Winterhauptstadt. Und wir wurden nicht enttäuscht. Bei -15 Grad spazierten wir durch den knöchelhohen Schnee. Anfangs war es sehr neblig, aber dann kam die Sonne raus und es wurde ein Wintertag, wie er im Buche steht. Erst einmal ging es vom Busbahnhof zu „unserem“ grünen Häuschen. Obwohl Otepää ja DER Wintersportort in Estland ist, sahen wir nur sehr sehr wenige Leute auf Skiern oder Schlitten, aber der Hauptmonat für den Wintersporttourismus ist wohl auch der Februar, außerdem war ja kein Wochenende. Allerdings fand gerade das alljährliche „Snow Tubing“ statt, bei dem Kinder in großen Schwimmreifen die Hügel runterrodeln.

Eisskulptur vor dem Maxima-Supermarkt: "Rutschige Rutsche Winterhauptstadt!"
Eisskulptur vor dem Maxima-Supermarkt: „Rutschige Rutsche Winterhauptstadt!“ (ich bin mir nicht ganz sicher, ob die Übersetzung so stimmt, falls es jemand besser weiß, bitte kommentieren!)

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Die Straße zum Haus ist Teil der Strecke des Tartu Skimarathon
Die Straße zum Haus ist Teil der Strecke des Tartu Skimarathon

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Nur noch wenige Meter bis zum Marguse Talu, wo das Haus steht
Nur noch wenige Meter bis zum Marguse Talu, wo das Haus steht
Von der roten Farbe des Dachs ist im Winter nichts zu erkennen
Von der roten Farbe des Dachs ist im Winter nichts zu erkennen

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Nachdem wir uns dort umgesehen hatten, ging es zurück in die Innenstadt, wo wir uns in der „Merano Pizzabaar“ stärkten. Auf dem Weg dorthin kamen wir noch durch ein paar schöne Straßen.

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Das Rathaus
Das Rathaus

Nach der Pizza, die wie immer sehr lecker war, machten wir uns auf zu einem weiteren Spaziergang. Und zwar gingen wir zum Pühajärv (Heiligensee), an dessen Strand wir im August noch in der Sonne gelegen und gebadet hatten. Trotz der Kälte waren wir beide total begeistert von Otepää im Schnee, es ist einfach wunderschön, die Natur rund um den See mal schneebedeckt zu sehen, und da die Tage inzwischen ja langsam wieder länger werden, konnten wir auch immerhin bis etwa 16:15 Uhr alles im Hellen ansehen. Ein echter Wintertraum.

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Und dann gab es auch einen weiteren Ausflug aufs Wasser, oder besser aufs Eis. Auch der See war von einer dicken Eisschicht bedeckt, so dass wir darauf herumlaufen konnten. Man kam sogar problemlos zu Fuß auf die kleine bewaldete Insel, die man im Sommer nur mit dem Ruder- oder Tretboot erreichen kann.

Zwischen den Bäumen kann man schon den zugefrorenen See erahnen
Zwischen den Bäumen kann man schon den zugefrorenen See erahnen
Am Strand
Am Strand
Das Badeparadies im Schnee
Das Badeparadies im Schnee
Als ich dieses Foto gemacht habe, stand ich mitten auf dem See
Als ich dieses Foto gemacht habe, stand ich mitten auf dem See

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Panorama vom Strand
Panorama vom Strand

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Am späten Nachmittag mussten wir uns dann auch von Otepää verabschieden, es ging wieder nach Tartu. Am Schluss entdeckten wir noch den Bären, der noch immer als Weihnachtsdeko vor dem Weihnachtsbaum auf dem Lipuväljak (Fahnenplatz) saß. Der Bär ist das Wappentier von Otepää, da der Name der Stadt übersetzt „Bärenkopf“ bedeutet.

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Die folgenden Tage verbrachten wir in Tartu. Wir gingen uns noch „Kääbik“ (The Hobbit) im Kino anschauen. Da der Film Überlänge hat, wäre der Kinobesuch in Deutschland sehr teuer geworden, in Estland allerdings zahlten wir nur 4 Euro pro Person (allerdings sahen wir den Film auch nachmittags und in 2D). Ansonsten besorgten wir noch die letzten Mitbringsel, kümmerten uns um Maevas Kater Koivu und genossen einfach die verbleibende Zeit in Estland. Leider schaffte ich es nicht mehr in die ganzen Museen, die ich eigentlich noch besuchen wollte, aber so habe ich noch ein paar Gründe mehr, wiederzukommen. Spätestens im Sommer 2014 soll es soweit sein.

Übrigens habe ich noch jede Menge Material für die Serie „Tartu Street Art“ zusammen bekommen, so dass es  im Laufe der nächsten beiden Wochen sogar noch zwei Teile davon geben wird. Und ich werde mir, wie gesagt, auch noch überlegen, wie es überhaupt mit dem Blog weitergehen soll, einfach so aufhören damit will ich jedenfalls nicht.

Was allerdings auf jeden Fall heute zum Ende kommt, sind die Songs der Woche, da es dabei ja darum ging, meine Stimmung während meiner Zeit in Tartu einzufangen. Obwohl ich die vergangene Woche nur noch zum Teil in Estland verbracht habe, gibt es jetzt noch einen letzten Song der Woche. Ich habe mich für „Olympic Airways“ von Foals entschieden, und irgendwie passt dieser Song nicht nur zu meiner letzten Woche, sondern auch zu meiner gesamten Zeit in Tartu. Und deshalb möchte ich diesen Eintrag auch mal wieder mit einer Songtextzeile beenden: „Sun down, now we have built our place, an aviary forever.“

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4 Gedanken zu “Vom Winter Wonderland ins Regenreich

  1. Wieso waren wir nicht in dem tollen Museum? :( Falls ich nochmal nach Tartu komme, muss ich da auf jeden Fall hin! Und mich von Johannes Gutenberg verzaubern lassen, viel zu süß ist er.

    Pärnu hat viele neue Lieblingshäuser für mich! Bei dem einen dachte ich auf den ersten Blick, es sei mein Traumhaus aus Tartu!

    Wunderschöne Fotos aus Otepää. Aber Strand und Schnee, irgendwie merkwürdig. Und zugefrorene Seen finde ich gruselig. ;)

    1. Ich war auch zum ersten Mal in dem Museum, fand es auch echt toll da. Und Johannes Gutenberg war eh der beste. =D Wieso sind zugefrorene Seen gruselig? Ich fand’s voll gut. =)

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