Ein paar News und dazu etwas zu Essen

Lange habe ich nichts mehr geschrieben, was zum Großteil daran liegt, dass ich gerade eine Art Großprojekt auf Handlungsfrei „abarbeite“, meine Bachelor-Arbeit vorbereite und nebenbei Schülern Nachhilfe gebe. Jetzt aber gibt es auch hier mal wieder etwas Neues, und zwar zunächst einmal ein Rezept. Ich habe es schon vor einer Weile ausprobiert, aber ich finde, dass es zum Herbst noch besser passt als zum Sommer, deshalb poste ich es erst jetzt.

Das estnische Wort pirukas bedeutet eigentlich Pastete, aber man bezeichnet damit jede Art von gefülltem Gebäck, sowohl kleine Teilchen als auch Tartes und Quiches. So kann man den Titel des nun folgenden Rezepts für Peekoni-Tomatipirukas vielleicht am besten mit Speck-Tomaten-Quiche übersetzen. Ganz egal, wie man es nennt, alle pirukas-Rezepte, die ich bisher ausprobiert habe, waren sehr lecker. Also:

Peekoni-Tomatipirukas/Speck-Tomaten-Quiche

Zutaten für eine normal große Tarteform:

Teig:

  • 3 dl Mehl
  • 1/2 TL Salz
  • 120 g Butter oder Margarine
  • 1 1/2 EL Zitronensaft
  • 4 EL kaltes Wasser

Füllung:

  • 175 g Speck- oder Schinkenwürfel
  • 1/2 Stange Lauch
  • 250 g Kirschtomaten
  • 2 dl Kaffeesahne/Kondensmilch
  • 3 Eier
  • 1 dl Milch
  • 1 TL Kräutersalz
  • 100 g geriebener Käse (ich habe Gouda genommen)
  • 1 EL gehackter Thymian

Zubereitung:

  • Alle Zutaten für den Teig gut mit den Knethaken des Handrührgeräts verkneten. Sollte der Teig zu klebrig sein, noch ein wenig Mehl zugeben,
  • Den Teig eine halbe Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.
  • Danach den Teig recht dünn ausrollen und die Form damit auslegen. Dabei den Rand nicht vergessen. Ich hatte an der Stelle noch ein bisschen Teig übrig und habe daraus Kekse ausgestochen, und zwar in Form von Tieren, die in Estland heimisch sind.
Diese Ausstecher gibt's bei IKEA (das es in Estland allerdings nicht gibt)
Diese Ausstecher sind von IKEA (das es in Estland allerdings nicht gibt)
  • Den Teig (und evtl. die Kekse) nun bei 200° (Umluft) 10 Minuten backen.
  • Für die Füllung in einer Pfanne den Speck anbraten. Lauch zugeben und einige Minuten dünsten. Diese Mischung auf dem etwas abgekühlten Teigboden verteilen.
  • Die Tomaten halbieren.
  • Kaffeesahne, Eier, Milch, Kräutersalz, geriebenen Käse und Thymian mit einem Schneebesen verrühren. Diese Mischung über Speck und Lauch gießen.
  • Die halbierten Tomaten mit den Schnittflächen nach oben auf der Quiche verteilen.
  • Das Ganze bei 180° (Umluft) etwa 30 Minuten backen.
  • Head isu! Die Quiche schmeckt warm und kalt und lässt sich auch gut wieder aufwärmen.

So, nun haben wir etwas zu Essen und können uns anschauen, was es in Bezug auf Estland so Neues gibt. Stephan und ich würden gerne über Silvester nach Estland fliegen, aber da ist bisher noch gar nichts sicher. Die Flüge sind über die Feiertage leider nicht sehr günstig, und Merit, die übrigens inzwischen an der Uni Tartu studiert, weiß auch noch nicht, ob sie Silvester in Estland oder Deutschland verbringen wird. Aber wir könnten natürlich auch in einem Hostel übernachten. Mal schauen, ich träume jedenfalls schon von Kälte und Schnee im estnischen Winter nach einem wahrscheinlich eher lauwarm-nassen Weihnachten am Niederrhein.

In Estland selbst arbeitet man weiter daran, dem Ruf des Tallinner Flughafens als „world’s cosiest airport“ noch mehr gerecht zu werden. Nachdem Anfang des Jahres bereits die kleine Bibliothek in einem der Gates eröffnet wurde, soll nun im Terminalbereich eine Kunstgallerie entstehen. So soll Künstlern die Möglichkeit gegeben werden, ihre Werke einem großen Publikum zu zeigen, und für die Passagiere soll das Terminal zu einem freundlicheren und schöneren Ort werden. Die erste Künstlerin, die im Flughafen ihre Werke ausstellt, ist Triin Veersalu. Ihre Bildreihe trägt den Titel „Lennukiakna ökoimpressionism“ (etwa: Öko-Impressionismus vom Flugzeugfenster aus), die Werke sind inspiriert von Satellitenbildern der Erde. Sie zeigen hauptsächlich Landschaften, die von Menschenhand verändert oder gar zerstört worden sind. Noch bis Ende dieses Monats kann man Triin Veersalus Bilder im Tallinner Flughafenterminal sehen, danach wird ein anderer Künstler dort seine Werke ausstellen.

Kommen wir noch einmal zurück zum Thema Essen: Diesen Monat beginnt eine große Studie über die Essgewohnheiten der Esten. Laut „Baltic Times“ sollen 9000 zufällig ausgewählte Esten zu ihrer Ernährung befragt werden. Das Alter der Teilnehmer liegt zwischen vier Monaten und 74 Jahren, wobei die Angaben über die Jüngsten von ihren Eltern gemacht werden. Man darf gespannt sein, was dabei herauskommt, ob beispielsweise das Klischee vom Fisch oder Schweinefleisch mit Kartoffeln essenden, milchtrinkenden Esten widerlegt wird, und ob auch in Estland das Durchschnittsgewicht der Einwohner steigt. Nach meinen Beobachtungen sind die Esten im Allgemeinen schlank und sportlich, aber vielleicht wirkt das ja auch nur so. Wann die Ergebnisse der Studie vorliegen werden, weiß ich nicht, aber sollte ich sie jemals erfahren, werde ich hier darüber schreiben.

Während ich selbst schon länger nicht mehr dazu gekommen bin, in mein Estnisch-Lehrbuch zu schauen, lernen momentan laut dem Haridus- ja Teadusministeerium, dem estnischen Bildungs- und Wissenschaftsministerium, 3228 ausländische Schüler die estnische Sprache. Die Daten kommen von 63 Institutionen im Ausland, die Estnisch unterrichten. 455 der 3228 Schüler fangen in diesem Schuljahr gerade damit an, Estnisch zu lernen. Bezüglich der Heimatländer des Großteils der Anfänger werden Finnland, Lettland, Schweden, Luxemburg und die USA genannt. Warum ausgerechnet in Luxemburg immerhin 34 Schüler Estnisch lernen, würde mich doch sehr interessieren.

Apropos Bildung: Sowohl die Uni Tartu als auch die Technische Universität Tallinn gehören zu den 500 besten Universitäten in den „QS World University Rankings 2013/2014“. Damit ist die TU Tallinn zum ersten Mal unter den ersten 500 und hat dabei direkt die höchste Platzierung von allen Universitäten in den baltischen Ländern erreicht. Bei dem Ranking werden Plätze für verschiedene Kategorien vergeben, unter anderem gibt es auch die Kategorie „Internationale Studenten“, in der die Uni Tartu dieses Mal schlechter abschneidet als in früheren Rankings. Wer mehr über das Ranking und seine Methoden wissen möchte, kann sich hier informieren.

Meine Eltern haben mir aus ihrem Estland-Urlaub im Sommer das neue Buch von Justin Petrone mitgebracht. Petrone ist der Liebe wegen vor einigen Jahren von den USA nach Estland gezogen, genauer gesagt nach Viljandi. Er ist der Autor von „My Estonia“ und „My Estonia Part 2“, in beiden Büchern schreibt er über sein Leben als Ausländer in Estland. Ich habe die Bücher bisher nicht gelesen, da ich sie immer für reine Touristen-Beststeller gehalten habe, die man nicht braucht, wenn man Estland selbst schon gut kennt. Allerdings habe ich während meiner Zeit in Tartu einmal einen Blick in die estnische Version des ersten Bandes geworfen, und die ersten Seiten fand ich gar nicht schlecht – also, jedenfalls das, was ich verstanden habe. Jetzt ist „Mission Estonia“ erschienen, eine Sammlung von Essays und Kolumnen, die Petrone verfasst hat. Es soll allerdings nur in einem Teil von ihnen wirklich um Estland beziehungsweise sein Leben dort gehen. Momentan muss ich noch einige Romane für die FH lesen, aber danach werde ich mich „Mission Estonia“ widmen und euch meine Eindrücke hier schildern.

In Estland gab es übrigens nach dem Erscheinen von „Minu Eesti“, wie Petrones erstes Buch auf Estnisch heißt, eine ganze Welle von „Minu …“-Büchern über die verschiedensten Städte und Länder. Unter anderem habe ich in einer Buchhandlung „Minu Supilinn“ entdeckt, das würde ich gerne lesen, falls ich jemals genug Estnisch können sollte. Supilinn, zu Deutsch Suppenstadt, ist ein Stadtteil von Tartu. Dort befinden sich viele Straßen, die nach Gemüsesorten benannt sind, unter anderem auch die Straße mit dem superkurzen Namen Oa, die Bohnenstraße. Mein geliebter Tähtvere-Park grenzt direkt an die Supilinn, und auch zum Emajõgi (dem Fluss, der durch Tartu fließt), ist es nicht weit. Der Stadtteil war früher ein Armenviertel und besteht noch immer zum Großteil aus bunten Holzhäusern. Wer innerhalb der von Touristen viel besuchten Stadt Tartu ein bisschen „ursprüngliches“, geradezu ländliches Estland erleben will, sollte sich dort umsehen. Es gibt auch eine gut gemachte Internetseite über die Supilinn, die ist zwar nur auf Estnisch, aber auch für Leute ohne Estnischkenntnisse interessant (was sich hinter den Menüpunkten pildid und videod, zu finden unter linnaosa/Stadtteil verbirgt, kann man sich als Deutscher ja denken). Außerdem hat die estnische Band Jäääär ein Lied über den Stadtteil geschrieben, mit dem ich diesen Post beenden möchte.

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2 Gedanken zu “Ein paar News und dazu etwas zu Essen

  1. Ach „Jäääär“! Was wäre Estland ohne den unverwechselbaren Klang seiner Sprache! Immer wenn ich eine CD von Jäääär höre, fühle ich mich sofort ins Baltikum versetzt.

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