Liikumine – Bewegung

Wie im letzten Post angekündigt, gibt es ein paar Neuigkeiten. Zunächst ganz persönliche: Die Silvesterreise nach Estland ist unter Dach und Fach! Jedenfalls für mich. Stephan muss erst noch abklären, wann und für wie lange er Urlaub nehmen kann, dann wird auch er Flüge buchen. Das nämlich habe ich vor ein paar Tagen getan. Am 27. Dezember geht es hin und am 5. Januar wieder zurück. Noch steht nicht fest, wo genau wir uns aufhalten werden, zwischendurch geht es auf jeden Fall nach Tartu zu Merit, und ansonsten will Stephan natürlich in sein geliebtes Pärnu, und ich würde gerne Haapsalu im Winter sehen. Aber das werden wir alles noch planen, wenn auch Stephan seine Flüge gebucht hat. Eigentlich ist mir fast egal, was wir machen, ich freue mich einfach auf Estland. Auf die estnische Sprache, auf Kälte und vielleicht Schnee, auf Wälder, Seen und die Ostsee, und auf den estnischen Himmel über alledem. Auch auf richtig schwarzes Roggenbrot, Joghurt aus 1-Liter-Tetrapacks, kohuke (kleine, mit Schokolade überzogene und mit Marmelade gefüllte Quarkriegel), Schokolade der Marke Kalev, estnische Milch aus „Quabbelpackungen“, … Das werde ich mir dann, nach Abgabe meiner Bachelorarbeit, alles redlich verdient haben, denke ich. Ich habe auch schon eine Liste angelegt mit all den Sachen, die ich gerne vor Ort kaufen würde (sie reicht von CDs und Büchern über Socken aus dem Suva-Laden bis hin zu einer Großpackung Kartoffelgewürz). Natürlich werde ich Fotos machen und hier im Blog über die Reise berichten. Vielleicht entdecke ich ja auch ein paar neue Street-Art-Motive.

Neues gibt es außerdem in Sachen öffentliche Verkehrsmittel in Estland. Wie in dem Artikel stand, den Merit mir kürzlich im Internet gezeigt hat, gibt es seit diesem Monat dreißig kleine Busbibliotheken in Fernbussen der Firma Sebe. In diesen findet man Belletristik von estnischen und ausländischen Autoren, und zwar sowohl Klassiker als auch neuere Werke. Die Bücher können am Ende der Fahrt entweder in das Busregal zurückgestellt oder aber ausgeliehen und später in der Heimatbibliothek abgegeben werden. Wie genau das funktioniert, also wie die Bücher registriert werden und wie sie dann in die Busse zurückkehren, habe ich nicht herausfinden können, aber ich werde es ja wahrscheinlich bald selbst sehen. Das Ganze ist eine Aktion der Eesti Raamatukoguhoidjate Ühing, also der estnischen Bibliothekarsvereinigung. Ich finde, das ist eine tolle Idee, das könnte man in den Zügen der deutschen Bahn auch mal einführen.

Apropos Züge. Ich hatte schonmal etwas darüber geschrieben, dass in Estland neue Züge eingeführt wurden. Meine Eltern haben im Sommer auch schon einige davon gesehen. Bald gibt es da noch eine Veränderung: Das Unternehmen Elektriraudtee, das bisher die Züge im Norden Estlands betrieb, wird ab 2014 den gesamten Eisenbahnverkehr des Landes übernehmen. Bisher gab es neben Elektriraudtee auch noch das Unternehmen Edelaraudtee, das den Schienenverkehr im Südwesten durchführte, wie der Name schon sagt (edel bedeutet Südwesten). Dieses Unternehmen wird, soweit ich weiß, in Zukunft nur noch im Bereich Gütertransport tätig sein. Elektriraudtee hat sich vor Kurzem in Elron umbenannt, eine Abkürzung für Eesti Liinirongid (Estnische Linienzüge) – denn, um es mal mit den Worten meines Vaters auszudrücken, „es war denen wohl zu blöd, ab 2014 die Dieselzüge auf den Langstrecken unter Elektriraudtee fahren zu lassen.“ Ich selbst bin jetzt gespannt darauf, wie es sein wird, mit einem der neuen Züge zu fahren. Auf jeden Fall ist man jetzt, wenn es um die Strecke Tallinn-Tartu oder umgekehrt geht, noch mehr als früher hin- und hergerissen zwischen Bus und Bahn. Während meiner Zeit in Tartu bin ich immer lieber Zug gefahren, auch wenn das länger dauert, aber jetzt sind die Busse durch ihre Minibibliotheken natürlich auch sehr attraktiv geworden. Wenn jemand mehr über die Eisenbahn in Estland erfahren möchte, dann empfehle ich estbahn, den Blog eines deutschen Eisenbahn-Fans, der über die aktuellsten Ereignisse und Neuerungen in Bezug auf den estnischen Zugverkehr informiert.

Ich las vor Kurzem einen Artikel über die innerstädtischen Verkehrsmittel in Tallinn. In meinem allerersten Post in diesem Blog hatte ich schon erwähnt, dass die Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel in Tallinn ab Januar 2013 für registrierte Einwohner der Stadt kostenlos sein würde. Nun las ich in diesem Artikel, bei dem es sich übrigens um eine Übersetzung aus einer litauischen Zeitung handelte, dass sich genau das bewahrheitet hat, was viele befürchtet hatten: Die Busse und Bahnen sollen ständig überfüllt sein und stark von Obdachlosen und Betrunkenen genutzt werden. Vollkommen umsonst ist die Benutzung der Verkehrsmittel allerdings nicht, die zwei Euro für die benötigte Chipkarte (die dann vier Jahre gültig ist) hat aber wahrscheinlich wirklich jeder Einwohner der Hauptstadt übrig. Diese Chipkarte muss der Tallinner Bürger beim Einsteigen vor ein Lesegerät halten, somit ist auch meine Frage nach der Überprüfbarkeit des Angemeldetseins beantwortet. Allerdings würde mich jetzt interessieren, wie es mit der Registrierung bei Obdachlosen aussieht, ich selbst musste bei meiner Anmeldung in Tartu einen Mietvertrag vorzeigen. Aber vielleicht ist man da nur bei Ausländern so streng, hier in Deutschland hat es bei meinen Umzügen bisher auch immer gereicht, die Adresse hinzuschreiben, ob ich wirklich da wohne, wurde nicht überprüft.

Gut, das war es für heute in Sachen Verkehrsmittel. Kommen wir noch zur Kultur. In der Kleinstadt Fellbach, ganz in der Nähe von Stuttgart, findet alle drei Jahre der sogenannte „Europäische Kultursommer“ statt. 2014 werden dabei Estland und Finnland die Gastländer sein. Dass Finnland im Mittelpunkt steht, wird im nächsten Jahr nichts Besonderes sein, denn dann ist das Land Gastland bei der Frankfurter Buchmesse, weswegen es in ganz Deutschland Veranstaltungen zur finnischen Kultur geben wird. Dass man sich dazu entschieden hat, beim Fellbacher Kultursommer auch Estland in den Fokus zu stellen, freut mich natürlich sehr. Noch gibt es leider keine konkreten Informationen zum Programm, ich werde aber immer wieder mal danach schauen und natürlich auch die ein oder andere Veranstaltung besuchen, wenn etwas Interessantes dabei ist.

In meinem Post über estnische Bands beim Positivus-Festival in Lettland erwähnte ich sie schon, die Band Galvanic Elephants. Ihr Sänger, Taavi-Peeter Liiv, führt seit einigen Tagen einen Blog. Dort schreibt er auf Englisch über die Arbeit der Band an ihrem ersten Studioalbum. Bisher gibt es noch nicht allzu viel zu lesen, aber das wird sich sicher noch ändern. Jedenfalls eine gute Idee von der Band, ihre Fans so am Aufnahmeprozess teilhaben zu lassen. Ich jedenfalls werde regelmäßig auf tprecordjournal vorbeischauen.

Zum Schluss noch zwei – sehr unterschiedliche – Videos. Zur Zeit kann man sich im Stuttgarter Ballett „Othello“ ansehen. Die Musik zu diesem Ballett stammt unter anderem von dem bekannten estnischen Komponisten Arvo Pärt. Leider sind die Vorstellungen alle ausverkauft, aber ich habe ein Video von einer Aufführung des Eesti Rahvusballett (estnisches Nationalballett) gefunden. Hier wird zu Pärts Stück „Spiegel im Spiegel“ getanzt. Dass das Stück einen deutschen Titel hat, ist nicht erstaunlich, denn Arvo Pärt lebt seit Jahren in Berlin (und in Tallinn) und hat eine deutshe Staatsbürgerschaft. Hier nun also das Video. Leider hustet zwischendurch ein paar Mal jemand, aber das stört nicht wirklich.

Außerdem noch etwas Moderneres, ein Song von einer estnischen Band, die ich kürzlich entdeckt habe. Die fünf nennen sich Tallinn Daggers und machen Musik wie diese:

Übrigens habe ich beim Fotografieren der estnischen Spuren in unserer Wohnung tatsächlich etwas vergessen, nämlich meine – schon etwas abgenutzte – Estland-Jutetasche. Die zeig ich euch jetzt noch und dann war’s das für heute.

Tasche

 

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5 Gedanken zu “Liikumine – Bewegung

  1. Ja, die „nojen Tsüüge“ sind sehr chic! Allerdings muss nun – kaum sind sie in Betrieb – überall die Aufschrift geändert werden (statt „Elektriraudtee“ also der etwas seltsame Name „Elron“, der übrigens bereits belegt ist – von einem israelischen Waffenhersteller . . . ).
    Übrigens verkehrt(e) „Edelaraudtee“ trotz des Namens nicht nur im Südwesten Estlands, sondern bedient mit Dieseltriebwagen landesweit alle Strecken außerhalb des (elektrifizierten) Tallinner Regionalverkehrs.
    Und noch eine Änderung könnte im Bereich Verkehr sich mittelfristig ergeben: Es bestehen Planungen zur Erweiterung des Tallinner Straßenbahnnetzes; es wurden 15 nagelneue Straßenbahnen eines spanischen Herstellers bestellt (bisher kamen ja immer mehr gebrauchte aus ex-DDR-Betrieben); UND damit ist die Zukunft des Tallinner Obusverkehrs massiv in Frage gestellt – drei Betriebszweige (Bus, Obus, Straßenbahn) sind zuviel für eine Stadt dieser Größenordnung und bei der heutigen Bedeutung des Individualverkehrs.
    Es tut sich was . . .

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