Links (groß geschrieben und nicht mit „vasak“ zu übersetzen)

Am Sonntag Abend liefen auf Phoenix gleich zwei Dokumentationen über Estland nacheinan­der. Zuerst eine über das Leben am Ufer des Peipsijärv (Peipussee), durch den die Grenze zu Russland verläuft. Danach ging es um Tallinn, die Doku trug den Titel „Tallinn – die Ungedul­dige“, die hatte ich allerdings schonmal gesehen. Tallinn ist ja, verglichen mit dem restlichen Land, schon ein bisschen eine andere Welt, deshalb finde ich Dokumentationen, in denen nur Tallinn gezeigt wird, immer etwas einseitig. Aber die Doku über den Peipsi war gar nicht schlecht. Fall jemand sich dafür interessiert, sie wird noch ein paar Mal wiederholt, hier könnt ihr sehen, wann.

Die beiden Sendungen haben mich jedenfalls dazu inspiriert, mal wieder was für den Blog zu schreiben. Wie so oft wird das hier eine Art Zusammenfassung der estlandbezogenen Dinge, die mir in der letzten Zeit begegnet sind. Dieses Mal geht es dabei vor allem um Sachen aus dem Internet. Ist ja schließlich auch die einfachste Möglichkeit, sich über Estland zu infor­mieren und mitzubekommen, was dort so passiert. Und so habe ich auch erfahren, dass mein Lieblings-Fotoblogger, der Este Remo Savisaar, vor Kurzem zum Europäischen Naturfo­tografen des Jahres 2013 gekürt wurde. Dieser Titel wird von der Gesellschaft deutscher Tierfotografen e. V. verliehen. Savisaar gewann in der Kategorie „andere Tiere“ mit einem in Est­land aufgenommenen Bild eines – Nashorns (auf Estnisch ninasarvik). Wie das geht? Schaut euch sein Siegerfoto selbst an! Und allen, die einen Bloglovin-Account haben, kann ich nur empfehlen: Folgt seinem Blog, die Bilder sind wirklich alle sehr beeindruckend und man bekommt einen guten Eindruck von der Natur und Tierwelt Estlands. Ich selbst habe mir auf jeden Fall vorgenommen, bei der Silvesterreise nach Estland mal nach den Büchern und Ka­lendern von Remo Savisaar zu schauen, vielleicht bringe ich ja was Tolles mit. Apropos Tier­welt: Habt ihr schonmal etwas vom europäischen Gleithörnchen gehört? Ich nicht, aber ich sah es vor Kurzem in einer Dokumentation über den Osten Finnlands. Und dann stellte ich fest: das bedrohte Tierchen, das auf Estnisch lendorav (also Flugeichhörnchen) heißt, ist Symboltier des Eestimaa Looduse Fond, des estnischen Naturschutzfonds. Es war sogar  mal auf estnischen Briefmarken zu sehen.

Lendorav Lendoravad

(Die Bilder stammen beide von der Seite filateelia.ee)

Stephan steht über Facebook in Kontakt mit einem der Macher des Internet-Radiosenders indieandmore.com. Der arbeitete vor zwei Wochen an einem Programm mit dem Titel „Northern Lights“ und wollte dort auch Musik aus dem Baltikum unterbringen. Er hat irgendwie mitbe­kommen, dass ich einen gewissen Bezug zum Baltikum habe und fragte Stephan, ob ich jemanden kenne, der sich in der baltischen Musikszene auskennt. Kenne ich leider nicht, aber ich habe ihm empfohlen, sich auf der Seite des Positivus-Festivals in Lettland umzusehen. Später ent­deckte ich dann noch die Seite The Baltic Scene, die ich hiermit auch euch allen ans Herz le­gen möchte. Wer gerne Musik in Richtung Indie/Alternative/Rock hört und sich nach ein paar interessanten Bands und Künstlern umschauen möchte, findet hier eine Menge News und Infos über alles, was sich in Estland, Lettland und Litauen in dieser Szene tut. Inzwischen habe ich zwar festgestellt, dass die Künstlerliste der ersten Ausgabe von „Northern Lights“ jetzt doch nur skandinavische Bands enhält. Schade, aber im­merhin bin ich auf diese Weise auf The Baltic Scene aufmerksam geworden. Und viel­leicht wird ja in Zukunft noch die eine oder andere baltische Band ins Programm aufgenom­men.

Sicher habt ihr alle schon davon gehört, dass Deutschland im „EF English Profiency Index“ eher mittelmäßig abgeschnitten hat. Estland hingegen ist auf Platz 4 gelandet und kann sich daher auch in dieser Hinsicht mit Skandinavien auf eine Stufe stellen. Die Englischkenntnisse der Esten sind laut dem Ranking sogar besser als die der Dänen (Platz 5) und Finnen (Platz 7). Den Esten wird es sicherlich auch gut gefallen, dass Russland, mit dem Estland häufig immer noch in einen Topf geworfen wird, nur Platz 31 belegt. Leider wurde Litauen nicht untersucht, Lettland liegt auf Platz 15 direkt hinter Deutschland. Leider ist Estland in diesem Jahr zum ersten Mal bei dem Ranking dabei, daher kann man nicht sehen, wie sich die Englischkenntnisse der Bevölkerung dort entwickelt haben. Allerdings ist das aktuelle auch erst das dritte Ranking dieser Art, und ich vermute, dass die Unterschiede zu 2009, als das erste erschien, nicht allzu groß sein dürften. Wer sich genauer anschauen möchte, wel­ches Land welchen Platz erreicht hat, und wie das Ranking funktioniert, kann das hier tun: EF EPI.

Vor Kurzem erschien ein weiteres Ranking, und zwar das der besten Restaurants in Estland 2013. Von den Top 50 kenne ich nur wenige aus eigener Erfahrung, viele Namen kommen mir aber bekannt vor – kein Wunder, die meisten der besten 50 befinden sich in Tallinn. Viele davon habe ich auf Rundgängen in der Hauptstadt schon gesehen, aber gegessen habe ich, soweit ich mich erinnern kann, noch in keinem davon. Aber das „Till ja Kummel“ (Platz 41) hat mich schon immer angelacht, es sieht einfach so gemütlich und besonders aus. Das muss ich wirklich mal austesten. Am besten kenne ich natürlich die Restaurantszene in Tartu. Das „Werner“ (Platz 42) liegt an der Kreuzung hinter dem Rathausplatz, an der man in die Ülikooli (Universitätsstraße) abbiegen kann. Dieses Café ist Kult, es dürfte kaum einen (Austausch-)Studenten geben, der dort nicht mindestens einmal Kaffee getrunken hat. Während meiner eigenen Zeit in Tartu gab es zwar Gerüchte, im „Werner“ wären Schaben in der Kuchenauslage gesichtet worden, aber das dürfte der Beliebtheit keinen Abbruch getan haben. Mir war gar nicht bewusst, dass dort außer Kuchen noch mehr zu essen serviert wird, aber da es in diesem Ranking als Restaurant aufgeführt wird, wird das wohl der Fall sein. Der Kaffee dort ist jedenfalls gut. Im „Meat Market“ (Platz 23), das sich ebenfalls in Tartu befindet, waren meine Eltern schonmal essen. Auch das Restaurant des Tartuer Hotels „Antonius“ ist unter den besten 50, um genau zu sein auf Platz 26. Das „La Dolce Vita“ (Platz 29) in der Nähe der Stadtbibliothek ist ein ziemlich feines, aber nicht allzu teures italienisches Restaurant, ebenso das „Polpo“ (Platz 31), das sich auf der Bar- und Clubmeile von Tartu, der Rüütli (Ritterstraße) befindet. Auch das „Truffe“ (Platz 34) am Rathausplatz hatte ich bisher für ein reines Café gehalten, aber anscheinend kann man auch dort gut essen. Drei der 50 besten Restaurants befinden sich in Pärnu. Das „Ammende“ (Platz 25) liegt ganz nah beim Strand. Ich dachte immer, das sei ein sehr teures Restaurant, aber letztes Jahr habe ich festgestellt, dass das gar nicht stimmt. Trotzdem bin ich noch nicht dazu gekommen, es auszuprobieren, aber vielleicht können Stephan und ich das ja Ende Dezember/Anfang Januar mal tun. Auch das sehr einladend aussehende „Supelsaksad“ (Platz 39) ist in Pärnu, der Name bedeutet übersetzt so etwas wie „die Badedeutschen“. Nicht weit davon entfernt befindet sich das „Mahedik“ (Platz 36). Und auch ein Restaurant in Otepää hat es in die Top 50 geschafft, und zwar das des Clubhotels „GMP“ am Pühajärv (Platz 44), wenn mich nicht alles täuscht, waren wir mit der Familie vor einigen Jahren mal dort essen. Das beste Restaurant Estlands, das „Alexander“, befindet sich übrigens nicht etwa in Tallinn, sondern auf der Insel Muhu. Vielleicht kennen meine Eltern ja noch das ein oder andere Restaurant aus der Liste. Die „Merano Pizzabaar“, unsere Lieblingspizzeria in Otepää, hat es leider nicht in die Liste geschafft, aber sie ist ja auch wirklich schwer mit Gourmetrestaurants wie dem „Alexander“ zu vergleichen.

In Island hatte ich im August zwar keine estnischen Spuren entdeckt, dafür sind mir aber unerwarteterweise bei den Recherchen zu meiner Bachelorarbeit, in der ich ja über den Literaturbetrieb in Island schreibe, schon ein paar Mal Dinge begegnet, die mit Estland zu tun haben. Die habe ich aus den in meinem anderen Blog geposteten Notizen herausgenommen, da sie besser hierher passen. Bevor ich mit der eigentlichen Arbeit anfing, habe ich Fragebögen an die öffentlichen Bibliotheken in Island verschickt, um herauszufinden, welche literarischen Veranstaltungen sie organisieren, ob sie besondere Services anbieten und so weiter. Eine Bibliothekarin aus Egilsstaðir (Ostisland) verlinkte in ihren Antworten die Internetseite norden.ee, um mir Infos zur „Nordic Library Week“ zu geben. Zwar gibt es für Informationen zu Kooperationsprojekten der nordischen Länder auch die internationale Seite norden.org, aber aus irgendwelchen Gründen hat sich die Bibliothekarin dazu entschieden, die estnische Seite zu verlinken. Die Infos stehen allerdings auch dort auf Englisch.

Außerdem stieß ich auf ein Foto des isländischen Dichters Eiríkur Örn Norðdahl, das ausgerechnet von einer Estin gemacht wurde, und zwar von der Journalistin Ave Maria Mõistlik (ja, die Dame heißt wirklich so). Das Foto befindet sich auf der offiziellen Seite des Dichters. Zudem war ich erstaunt darüber, dass man auf ebendieser Seite einige der ziemlich experimentellen Gedichte in estnischer Übersetzung lesen kann. Darüber hinaus sind wohl einige seiner Gedichtbände auf Estnisch erschienen. Zudem ist Estnisch neben Isländisch die einzige Sprache, in der es einen Wikipedia-Artikel über diesen Dichter gibt (der Estnische besteht allerdings nur aus einem einzigen Satz). Die Erstaunlichkeit des Ganzen wird etwas relativiert, wenn man weiß, dass Eiríkur Örn Norðdahl unter anderem in Finnland lebt. Trotzdem dürften Übersetzungen isländischer Werke ins Estnische eher selten sein, abgesehen natürlich von den Sagas und den Werken von Halldór Laxness. Die übersetzten Gedichte findet ihr hier (für Estnisch einfach etwas runterscrollen).

Da ich in meiner Bachelorarbeit auch über zielgruppengerechte Angebote der öffentlichen Bibliotheken schreibe, habe ich mir angesehen, wie es mit Minderheiten in Island aussieht. Dabei hat mich natürlich besonders interessiert, wie viele Menschen estnischer Herkunft in Island leben, auch wenn von Anfang an klar war, dass es wohl kaum genug sein würden, um sie in der Arbeit zu erwähnen. Das war mehr aus persönlichem Interesse. Am 1. Januar 2013 waren es immerhin 91 (diese Zahl umfasst allerdings nur diejenigen, die eine estnische Staatsbürgerschaft haben). Im Jahre 2012 haben 3 Esten die isländische Staatsbürgerschaft angenommen. Leider sind viele der Statistiken, die sich mit der Immigration nach Island befassen, nicht in die einzelnen Länder, sondern lediglich in Regionen wie beispielsweise „Nordic Countries“ untergliedert, daher kann man nicht weiter in die Tiefe gehen, wenn man nur Daten zu Personen estnischer Herkunft haben möchte.

Und da ich nun schon einmal im Thema drin bin, verabschiede ich mich an dieser Stelle und arbeite weiter an der Bachelorarbeit. Ich hoffe, der eine oder andere, der diesen Post gelesen hat, klickt den einen oder anderen Link an, und/oder plant schonmal eine kulinarische Rundreise durch Estland … Und denkt dran, am kommenden Sonntag ist in Estland Vatertag (isadepäev). Also: estnische Fahne raushängen und – wenn möglich – euren Vater in den Arm nehmen!

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