Drei F und ein M

Meistens sammle ich alles, was mir so begegnet und was für diesen Blog interessant sein könnte, auf einem Zettel oder in einer Notiz auf meinem Handy, bis ich genug zusammen habe, damit sich ein Post wirklich lohnt. Ich könnte auch jede Neuigkeit einzeln posten, aber irgendwie fällt es mir leichter, lange Posts zu schreiben als kurze. In den letzten Wochen jedenfalls habe ich so viel gesammelt, dass ich sogar zwei Posts daraus machen kann. Einen heute und dann noch einen, der spätestens nächste Woche folgen und in dem es um Musik gehen wird. 

Heute geht es erstmal um Film, Fernsehen, Fotografie und Mode (daher der Titel). Schon ein paar Mal habe ich den Film „Kertu“ erwähnt (zum Beispiel hier), der auf Saaremaa gedreht wurde. Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich zu Stephan sagte, als wir uns den Film vor ein paar Monaten ansahen: „Ich wette, mein Vater weiß genau, wo der spielt.“ Vor einiger Zeit nun haben meine Eltern „Kertu“ gesehen – und tatsächlich, mein Vater erkannte den Laden wieder, vor und in dem einige Szenen spielen. Er hat ihn 2011 sogar fotografiert. Regisseur Ilmar Raag hat den Laden, finde ich, gut ausgewählt, da er sehr typisch ist für einen estnischen Dorfladen. Leider kommt der Laden im oben verlinkten Trailer nicht vor, aber ich fand es einfach so kurios, dass mein Vater tatsächlich genau erkannt hat, wo Teile des Films gedreht wurden, daher hier das Bild:

Für den Film hat man das Schild entfernt
Für den Film hat man das Schild entfernt und auch dieser Herr spielt meines Wissens nicht mit

„Kertu“ wird wahrscheinlich nie im deutschen Fernsehen laufen, dafür konnte man vor Kurzem auf ARD immerhin einen estnischen Schauspieler sehen. In dem „Tatort“ aus Stuttgart (ausgerechnet!), der am Pfingstmontag lief, spielte Tambet Tuisk mit. Er ist vor allem aus dem Film „Poll“ bekannt, in dem übrigens auch Richy Müller, der einen der Stuttgarter „Tatort“-Kommissare spielt, mitwirkt. Tuisk spielte im „Tatort“ (die Folge heißt „Freigang“) einen Insassen der JVA Zuffenhausen und den Hauptverdächtigen in einem Tötungsdelikt (ich mag das Wort „Mordfall“ seit meiner Zeit als Jura-Studentin nicht mehr sonderlich). Ich habe selbst anderthalb Jahre im Stuttgarter Stadtteil Zuffenhausen gewohnt, aber diese JVA gibt es nicht wirklich. Gedreht wurde das Ganze in einem Gefängnis in Göttingen. Ich vermute, dass man Zuffenhausen als Handlungsort ausgewählt hat, weil es der Nachbar-Stadtteil von Stammheim ist, in dem ja ein recht bekanntes Gefängnis steht … Aber egal. Tambet Tuisk spricht im „Tatort“ jedenfalls Deutsch mit einem recht starkem Akzent, der für meine Begriffe allerdings eher nach einem Russen als nach einem Esten klingt. Seine Rolle hat einen deutschen Namen, allerdings kann man in einer Szene eine Art Steckbrief sehen, auf dem Tallinn als Geburtstort eingetragen ist. Komischerweise hat er auf diesem Steckbrief auch einen anderen Vornamen, nämlich Jaanus statt Holger, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich das richtig gesehen habe. Leider gibt es „Freigang“ nicht mehr in der ARD-Mediathek zu sehen. Aber vielleicht hat ja der eine oder andere die Folge auch gesehen. Tuisks Rolle kam eher selten vor, aber ich finde, er hat den arroganten Bösewicht gut gespielt. Hier kann man die Zusammenfassung der Folge lesen und ein paar Bilder ansehen.

Der „Tatort“ ist wohl eher nichts für kleine Kinder. Lotte dagegen umso mehr. Lotte ist ein Zeichentrickhund, der unter estnischen Kindern etwa so bekannt sein dürfte wie die Maus aus der „Sendung mit der Maus“ bei uns. Auch in Deutschland liefen schon Kinofilme mit Lotte, wie zum Beispiel „Lotte im Dorf der Erfinder„. In Estland findet man Schreibwaren, Plüschtiere, Bücher, DVDs und vieles mehr von Lotte in jedem größeren Supermarkt. Auch die auf Kinder ausgerichteten Infomaterialien aus den Touristen-Informationen der größeren Städte haben oft mit Lotte zu tun, wie beispielsweise diese Broschüre. Und bald gibt es in Estland sogar einen Freizeitpark, der sich ganz der Welt des Zeichentrickhunds widmet: Lottemaa, also Lotteland. Der Park entsteht gerade in der Gemeinde Tahkuranna im Landkreis Pärnumaa, etwa 40 Kilometer südlich von Pärnu. Dort wird auf 21 Hektar Fläche das fiktive Dorf, in dem Lotte lebt, nachgebaut. Im Juli wird der Park eröffnet. Auf der offiziellen Lottemaa-Facebookseite kann man einige Bilder von der Entstehung sehen und hier gibt es noch einen Artikel und ein Video dazu (beides nur auf Estnisch, aber zumindest das Video vermittelt auch so einen guten Eindruck). Ich bezweifle, dass meine Eltern, die schon bald wieder Urlaub in Estland machen werden – Neid! – Lust haben, einen Freizeitpark zu besuchen, aber wenn ich das nächste Mal in Estland bin (hoffentlich 2015), werde ich mir das Ganze mal ansehen.

Ich liebe ja Fotoblogs aus Estland und habe zwei Blogs auch schon des Öfteren hier erwähnt. Vor Kurzem entdeckte ich einen weiteren interessanten Blog, und zwar den des erst 18 Jahre alten Jan Henrik Pärnik. Die Bilder schaffen es, in mir immer so ein Gefühl von Sehnsucht – ich möchte es fast Heimweh nennen – zu wecken. Ganz besonders gilt das natürlich für den Post „Nädalavahetus Otepääl“ (Wochenende in Otepää). Neben Natur- gibt es bei Pärnik auch viel Sportfotografie zu sehen, unter anderem von einer Laufveranstaltung in Tartu. Seht selbst. Durchklicken und -scrollen lohnt sich.

Zum Schluss noch etwas zum Thema Mode. Im Zusammenhang mit einer der Bands, über die ich beim nächsten Mal schreiben werde, entdeckte ich den estnischen Online-Shop Swärk. Der Name ist wohl ein Wortspiel mit dem estnischen särk für Hemd und einem „w“ für whimsical. Und dieses Adjektiv passt auch sehr gut zu den Hemden, die man dort kaufen kann. Diese werden meist aus recyceltem Stoff hergestellt und sehen ziemlich verrückt aus – es gibt zum Beispiel eins mit lauter kleinen Hotdogs auf der Brusttasche oder eins mit Fischen (wie wär’s, Papa?). Die Hemden sind relativ teuer, dürften aber auch wirklich einzigartig sein. Es gibt bisher keine allzu große Auswahl, aber das wird sich sicherlich noch ändern (den Shop gibt es erst seit circa einem Jahr). Ich selbst würde wahrscheinlich keinem meiner männlichen Verwandten und Freunde ein solches Hemd schenken, aber das ist Geschmackssache. Man kann jedenfalls nicht leugnen, dass hinter Swärk eine gute Idee steht. Und wer weiß, vielleicht sind die Hemden ja bald überall Trend. Man kann sie übrigens auch bei Nu Nordik, einem Designladen am Vabaduse Väljak (Freiheitsplatz) in der Tallinner Innenstadt kaufen. Das wär’s erstmal für den Moment. Freut euch auf viel gute Musik im nächsten Post.  

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2 Gedanken zu “Drei F und ein M

  1. Tja, da sieht man mal, wie genau ich Estland kenne! Der Dorfladen steht in Võhma (Nordwesten der Insel Saaremaa). Innen und außen zeigt er sich typisch sowjetisch – allein schon dieses Klogrün . . .

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