Fußball, Mode und ein Grund zur Vofreude

Meine Eltern sind gerade in Estland im Urlaub, genauer gesagt in Otepää. Ich bin natürlich neidisch, aber auf diese Weise bekomme ich auch immer „Meldungen aus erster Hand“ über mein Lieblingsland, meistens in Form von E-Mails. Ich bin also quasi auf dem neuesten Stand, erfahre von neuen Straßenkreuzungen, inzwischen geschlossenen Dorfläden, Veranstaltungen und vielem mehr. Meine Eltern haben sogar ein paar Minuten vom Kommentar zum WM-Finale aus dem estnischen Fernsehen für mich aufgenommen, weil ich das Spiel auch so gerne mit estnischem Kommentar gesehen hätte. Leider kann ich hier keine Audiodateien hochladen, das geht nur mit einem kostenpflichtigen WordPress-Upgrade. Jedenfalls wurden die WM-Spiele in Estland immer von zwei Personen kommentiert (etwas, was man meiner Meinung nach im deutschen Fernsehen auch wieder einführen sollte), die – so klingt das für mich – geradezu wissenschaftlich an die ganze Sache herangingen. Meine Mutter hat erzählt, dass während der ersten Halbzeit des Finales, soweit sie das verstehen konnte, die meiste Zeit nur über bereits vergangene Spiele gesprochen wurde. Natürlich war der Kommentar auch weniger emotional als der von Tom Bartels hier in Deutschland – was zum einen daran liegt, dass Estland bislang nur davon träumen kann, mal in ein WM-Finale zu kommen oder gar Weltmeister, estnisch maailmameister, zu werden, zum anderen wohl auch an der allgemeinen Mentalität der Esten.

Ich mag mich täuschen, aber ich hatte das Gefühl, dass diese WM in Estland intensiver und interessierter verfolgt wurde als vorherige Turniere. Es gab sogar Public Viewing auf dem Tallinner Vabaduse väljak (Freiheitsplatz), der zumindest bei den Spielen der K. O.-Runde gut gefüllt war (allerdings kann man das natürlich nicht annähernd mit der Fan-Meile in Berlin oder auch nur dem Public Viewing auf dem Leipziger Richard-Wagner-Platz vergleichen). Ich kann mich zwar daran erinnern, dass wir schon 1998 vereinzelte WM-Spiele in estnischen Restaurants verfolgen konnten, aber ich habe eben auch schon häufig Sportsendungen im estnischen Fernsehen gesehen, in denen Fußball überhaupt keine Rolle spielte, obwohl die Saison in der Meistriliiga (erste estnische Fußballliga) gerade auf ihrem Höhepunkt war. Vielleicht hat das stärkere Interesse an dieser WM ja damit zu tun, dass bei der EM 2016 erstmals 24 statt 16 Länder spielen werden, so dass auch „Fußballzwerge“ wie Estland echte Chancen auf eine Endrundenteilnahme haben dürften. In der Qualifikation muss Estland gegen England, die Schweiz, Slowenien, Litauen und San Marino antreten. Das erste Spiel – gegen Slowenien – findet am 8. September in der A. Le Coq-Arena in Tallinn statt (A. Le Coq ist eine estnische Brauerei). Vielleicht wollte man sich England und die Schweiz schonmal bei der WM angucken, um sich vorbereiten zu können. Man darf für Estland hoffen, dass England sich in der Qualifikation ähnlich schwach präsentiert wie bei der WM … Der estnische Fußball könnte in Deutschland – zumindest hier im Osten des Landes – demnächst auch etwas bekannter werden. Und zwar hat der Zweitligaclub Erzgebirge Aue zur neuen Saison die Brüder Henri und Hannes Anier verpflichtet, die beide auch für die estnische Nationalmannschaft spielen. Vielleicht sollte ich mal nach Tickets für das Spiel RB Leipzig gegen Aue gucken.

So. Das war’s in Sachen jalgpall. Nun zu einem ganz anderen Thema. Mit Begeisterung stellte ich vor ein paar Tagen fest, dass es in Berlin seit letztem Herbst ein estnisches Café gibt! Es heißt Jää-äär, zu Deutsch Eiskante, genau wie die Band, die meine Eltern vor ein paar Tagen mal wieder live gesehen haben, nur das die sich ohne Bindestrich schreibt. Wie man den Namen des Cafés ausspricht, wissen in Berlin wohl die wenigsten, wie dieses Video beweist, aber es scheint sich großer Beliebtheit zu erfreuen. Es wurde schon in diversen Berliner Zeitungen und Stadtmagazinen vorgestellt (besonders gut fand ich die Schlagzeile „Esst beim Esten!“) und sogar Toomas Hendrik Ilves, Estlands Staatspräsident, war schon dort zu Besuch. Auf der Facebook-Seite des Cafés kann man anhand von Fotos sehen, was es dort alles gibt: Kama, Viru-Bier, estnischen Kuchen, Pfannkuchen, Knoblauchbrot nach estnischer Art (geröstetes dunkles Brot, viel besser als das Knoblauchbrot, was man hier so bekommt), Waffeln und und und. Dazu werden in dem sehr schön eingerichteten Café Bilder von estnischen Künstlern ausgestellt, es gibt natürlich kostenloses WiFi, und hin und wieder finden Konzerte statt. Am 26. Juli spielen die von mir sehr geschätzten Odd Hugo dort – sollte das hier jemand lesen, der in Berlin lebt: hingehen! Betrieben wird das Café von einer Estin. Laut einem Kommilitonen von mir, der aus Berlin stammt, hat es eine sehr gute Lage in der Stadt (Brunnenstraße). Stephan und ich wären nach Entdeckung des Cafés am liebsten sofort ins Auto gesprungen und nach Berlin gefahren, um unsere Estland-Sehnsucht mit Hilfe von diversen Spezialitäten und ein paar estnischen Stimmen um uns herum zumindest ein bisschen zu lindern. Da das nicht geht, haben wir nun geplant, Anfang September vor unserem Budapest-Urlaub für ein oder zwei Nächte in Berlin zu bleiben, da wir sowieso von dort fliegen müssen. Ich glaube, davor sollte ich drei Tage nichts essen … Natürlich werde ich hier im Blog von unserem Besuch im Jää-äär berichten. Und wer weiß, vielleicht finden sich in Berlin und/oder Budapest ja auch noch weitere estnische Spuren.

Nun noch etwas zum Thema Mode. Nachdem ich hier ja vor Kurzem auf den Online-Hemdenshop Swärk hingewiesen hatte, möchte ich nun gerne Heavy Mental vorstellen. Dieser Online-Shop existiert seit 2008 und hat seinen Sitz in Tallinn. Wie auch schon auf Swärk bin ich durch die estnische Band Slippery Slope auf Heavy Mental aufmerksam geworden, denn die Band hat gemeinsam mit den Heavy-Mental-Leuten ihre ersten Fanshirts hergestellt. Diese gibt es im oben verlinkten Shop leider nicht zu kaufen, dafür aber einige andere Designs, die zumindest bei Jugendlichen sicher gut ankommen. Neben Shirts gibt es auch Mützen für den kalten estnischen Winter. Dieser Jahreszeit hat sich auch ein anderes estnisches Label verschrieben, nämlich Helk. Ich hatte während meines Praktikums in Tartu hier im Blog schon die Reflektor-Pflicht angesprochen, die in Estland im Winter besteht. Helk verbindet nun das Nützliche mit dem Schönen und kreiert sogenannte „reflective jewellery“. Es gibt Reflektorbroschen in den verschiedensten Formen: Vögel, Kirschen, Seepferdchen, Hasen, Fahrräder und so weiter. Außerdem werden auch reflektierende Kettenanhänger angeboten. Ein Reflektor-Krokodil gibt es leider bisher nicht, aber ich könnte mir durchaus vorstellen, mir zum Beispiel einen kleinen Spatz an die Jacke zu stecken, wenn ich das nächste Mal in der dunklen Jahreszeit in Estland bin (auch wenn eine solche Brosche nicht den vorgeschriebenen Reflektor ersetzen kann, denn der soll auf Kniehöhe frei baumeln). Leider hat Helk keine Homepage, sondern nur eine Facebook-Seite, die auch nicht ganz aktuell ist, aber dort findet man Bilder der Produkte und Infos zu den Kaufmöglichkeiten.

Da ich die Band nun schon erwähnt habe, möchte ich zum Abschluss dieses Posts noch einen Werbespot eines estnischen Mobilfunkanbieters zeigen, der mit dem Song „Circle“ von Slippery Slope unterlegt ist. Ich muss jetzt weiterlernen. Doofe Sache. Aber mit einem Glas Kama, in Buttermilch angerührt, ist auch das erträglich.

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