Väga maitsev! – Sehr lecker!

Seit 2008 erscheint jedes Jahr im November die Liste der 50 besten Restaurants in Estland. Etwa 1300 Restaurants im ganzen Land werden getestet und erhalten Punkte in den Kategorien Speisen, Getränke, Service und Atmosphäre, die dann addiert die Gesamtplatzierung ergeben. Infos darüber, wie genau die Erstellung des Rankings abläuft, findet ihr hier (auf Englisch). Letztes Jahr hatte ich über die Liste ja schon einmal geschrieben. Jetzt habe ich mir gerade das Ranking für 2014 angeschaut. Wie bisher immer befinden sich die meisten der besten Restaurants Estlands auch in diesem Jahr in Tallinn. Im Gegensatz zu letztem Jahr hat es dieses Mal auch ein Hauptstadt-Restaurant auf Platz 1 geschafft, nämlich das „NOA“, ein ziemlich chicer und auch nicht ganz billiger Laden. Die Speisekarte liest sich sehr interessant, es gibt zum Beispiel Elch-Kebab mit Bulgur und Joghurtsauce, vietnamesische Fleischsuppe und Trüffelrisotto. Dazu unter anderem hausgemachtes Bier. Jedes Gericht auf der Karte ist mit ein bis vier Strichen gekennzeichnet, jeder Strich steht für 6 Euro. Auch mal eine originelle Idee.

Einige der Restaurants, die im letzten Jahr noch unter den Top 50 waren, sind dieses Mal nicht dabei, so zum Beispiel das unter Studenten sehr beliebte Café „Werner“ in Tartu. Dafür sind aber auch ein paar Neue dabei. Das „Fellin“ in Viljandi (Platz 18) beispielsweise sieht sehr schön und einladend aus. Abgesehen von dem etwas altmodischen Café, in dem wir früher mit der Familie immer Zimtschnecken gemampft haben, wusste ich in Viljandi nie, wo man eigentlich gut essen oder auch nur Kaffee trinken gehen könnte, aber mit dem „Fellin“ (das ist übrigens der deutsche Name für Viljandi) hat Estlands sechstgrößte Stadt jetzt wohl auch kulinarisch richtig was zu bieten. Zudem finden in dem Café/Restaurant ab und an Konzerte statt. Auf der Homepage kann man auf einer Karte sehen, woher die Zutaten für die Gerichte kommen, die serviert werden. Man legt wert auf die Verwendung von estnischen, am besten sogar direkt regionalen Produkten, der Fisch kommt aus dem Võrtsjärv, dem zweitgrößten See Estlands (nicht weit von Viljandi entfernt), und aus der Ostsee bei Pärnu, die Pilze aus den Wäldern in der Gegend, der Käse von der Kalamatsi-Meierei im Landkreis Järvamaa und so weiter. Wenn ich das nächste Mal in Viljandi bin, will ich das „Fellin“ auf jeden Fall ausprobieren. Das Gleiche gilt für ein Restaurant in Haapsalu, das ebenfalls den deutschen Namen der Stadt im Namen trägt: das „Hapsal Dietrich“ (Platz 36). Dieses Café wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts eröffnet und war bald für seine guten Feingebäcke bekannt, musste aber schließen, als Estland Teil der Sowjetunion wurde. Nun wurde es vor einiger Zeit neu eröffnet, wobei die neuen Inhaber Wert darauf gelegt haben, das Café (und jetzt auch Restaurant) wieder so aussehen zu lassen wie zu Zeiten der „Ersten Republik“. Das würde ich mir wirklich gerne mal ansehen.

Das „Supelsaksad“ in Pärnu haben Stephan und ich ja Ende letzten Jahres bereits ausprobiert und für sehr besuchenswert befunden. Es war letztes Jahr noch auf Platz 39, 2014 belegt es Platz 46. Und es ist in diesem Jahr das einzige Restaurant der „Sommerhauptstadt“, das in der Liste auftaucht. In und um die „Winterhauptstadt“, also Otepää, haben es hingegen gleich drei Restaurants unter die Top 50 geschafft. Zwei davon liegen im Dorf Mäha, das gemessen an seiner Größe also anscheinend eine ziemlich hohe Dichte guter Restaurants aufweist (wobei „gut“ natürlich immer subjektiv ist). Eines dieser beiden Restaurants ist das „Tammuri Talu„, das auch rustikale Gästeunterkünfte bietet. Es belegt Platz 15, ist also im Vergleich zum Vorjahr um einen Platz nach oben gerückt. Die Speisekarte kann man auf der Homepage leider nicht sehen, aber das Restaurant richtet sich an „gurmeesõbrad ja toidunautlejad“, also Gourmetfreunde und Speisengenießer. Ebenfalls im Dorf Mäha befindet sich das „Mr Jakob“ (Platz 34), das Clubrestaurant des Golfclubs von Otepää. In der Stadt selbst liegt das „GMP“ (Platz 47), das letztes Jahr auch schon in der Liste dabei war. Die Tartuer Restaurants, die in der Liste auftauchen, sind im Großen und Ganzen die Gleichen wie 2013, allerdings haben fast alle von ihnen ein paar Plätze einbüßen müssen.

Das sind also die News in Sachen Essengehen in Estland. Aber noch nicht ganz. Denn in Tallinn hat vor Kurzem das „Nurri“ eröffnet. Dabei handelt es sich um ein Kassikohvik, also ein Katzencafé. Der Besucher wird dort von zehn Katzen begrüßt, die er bei einer Tasse Kaffee und/oder einer Kleinigkeit zu Essen streicheln kann. Füttern darf man sie allerdings nicht, jedenfalls nicht mit „Menschenfutter“. Darüber hinaus gibt es noch eine ganze Reihe anderer Regeln (zum Beispiel „schlafende Katzen nicht berühren“) und man muss auch Eintritt bezahlen. Die Katzen tragen so schöne Namen wie Pilveke (Wölkchen) und Hõbe (Silber) und sehen auf den Fotos auf jeden Fall so aus, als würde sich der recht hohe Eintrittspreis lohnen. Das war’s jetzt aber endgültig in Sachen Essen und Trinken. Und wenn ihr lieber selber kocht – egal ob für Menschen oder Katzen – , dann denkt an die passende Bekleidung!

Noch was anderes Innovatives aus der estnischen Hauptstadt. Wer sein Auto auf dem Parkplatz an der Rahvusooper, der Nationaloper, abstellen will, muss nun nicht mehr einfach durch zwei langweilige Schranken fahren … seht selbst:

So, und nach all den Neuigkeiten und Neuheiten gibt es jetzt zum Schluss noch ein bisschen Geschichte. Im Zusammenhang mit der Historie des oben erwähnten „Hapsal Dietrich“ fiel mir nämlich ein, dass ich vor etwa einem Jahr mal einen Zeitstrahl über die Geschichte Estlands im 20./21. Jahrhundert erstellt habe. Im Rahmen eines Wahlmoduls im Bachelor stellte ich nämlich unter anderem den Roman „Fegefeuer“ von Sofi Oksanen vor, der ja in Estland spielt. Da man die Handlung so ganz ohne Hintergrundwissen nur schwer verstehen kann, habe ich damals diesen Zeitstrahl gemacht. Und jetzt dachte ich mir, dass ich den doch mal hier zeigen könnte. Ich bin bekanntermaßen weder Historikerin noch Grafikdesignerin, es ging nur darum, meinen Zuhörern einen relativ schnellen Überblick über die wichtigsten Ereignisse zu ermöglichen, da es gar nicht so leicht ist, sich zu merken, wer in Estland eigentlich wann an der Macht war. Ich musste das Ganze einscannen, daher ist die Qualität nicht optimal.

Zeitstrahl 1 Zeitstrahl 2

Solltet ihr, wie ich, in einem Bundesland leben, in dem am heutigen Buß- und Bettag nicht gearbeitet wird, dann wünsche ich euch einen schönen Feiertag. Alle anderen haben hoffentlich bald immerhin Feierabend. Egal wie, einen schönen Restmittwoch jedenfalls!

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2 Gedanken zu “Väga maitsev! – Sehr lecker!

  1. Die Restaurant-Empfehlungen werde ich mir aufschreiben für nächsten Sommer!

    Die Zeitleiste zur estnischen Geschichte ist durchaus gelungen! (Einige Punkte kommen mir sehr bekannt vor . . . )

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