Schon wieder was Leckeres

Das Wort küpsis, Plural küpsised, ist eins meiner estnischen Lieblingswörter. Immer, wenn ich es höre, stelle ich mir ein niedliches estnisches Kind vor, das bei Oma die Keksdose öffnet und mit großen, strahlenden Augen „küpsised, küpsised“ ruft. Man ahnt es bereits: küpsis bedeutet Keks. Und übrigens bezeichnen die Esten auch die HTTP-Cookies als küpsised. Aber es soll jetzt nicht um Textinformationen von Webseiten gehen, sondern um essbare küpsised. Der erste Advent ist zwar erst nächste Woche, aber ich hatte heute schon Lust auf Plätzchenbacken. Daher hab ich mir mein estnisches Plätzchen-Rezeptbuch geschnappt, aus dem ich hier im Blog ja schonmal ein Rezept vorgestellt habe. Dieses sollte den estnischen Sommer geschmacklich in die deutschen Keksdosen holen, heute geht es um ein winterliches, weihnachtliches Rezept. In Estland hat es schon geschneit, zwar nicht viel, aber immerhin so viel, dass man in der Tartu-Webcam schon einen weißen Film erkennen kann. Mit dem folgenden Rezept kann man sich das tolle Erster-Schnee-Gefühl, das die Esten gerade empfinden dürfen (Neid!) zumindest ein klein bisschen nach Hause holen. Ich habe das Rezept ein wenig abgewandelt. Im Rezeptbuch steht übrigens, dass diese Kekse das Warten auf Weihnachten eröffnen. Also los!

Jõuluküpsised (Weihnachtskekse)

Zutaten:

  • 220 g Mehl
  • 1 TL gemahlener Ingwer
  • 1/2 TL gemahlene Muskatnuss
  • 1/2 TL gemahlene Nelken
  • 1/2 TL Zimt
  • 1/2 TL gemahlener Kardamom
  • 1 Prise Salz
  • 1 TL Backpulver
  • 80 g Zucker
  • 20 g Vanillezucker (am besten selbstgemachter)
  • 100 g kalte Butter oder Margarine
  • 3 EL Zuckerrübensirup
  • 1 El flüssiger Honig

Zubereitung:

  • Den Backofen auf 190 ° (Ober- und Unterhitze) vorheizen.
  • Mehl, Gewürze und Backpulver mischen.
  • Zucker, Vanillezucker und Butter oder Margarine zugeben und alles mit Hilfe der Knethaken des Handrührgeräts zu einer Art Streuselmasse verarbeiten.
  • Dann Zuckerrübensirup (ich habe den dunklen genommen, aber heller geht sicher auch) und Honig hinzufügen.
  • Alles gründlich miteinander verkneten, da braucht man ein bisschen Geduld. Sollte sich partout kein einheitlicher Teig ergeben, kann man mit ein paar Tropfen Wasser nachhelfen.
  • Aus dem Teig etwa walnussgroße Bällchen formen. Diese auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen, dabei relativ viel Platz zwischen den Kugeln lassen, da die Kekse ziemlich stark auseinandergehen (siehe Bilder). Bei mir ergab die Teigmenge 24 Kekse, das hängt aber natürlich von der Größe der Kugeln ab.
  • Die Kekse etwa 15-20 Minuten backen, bis sie eine rissige Oberfläche bekommen haben und leicht braun geworden sind.
  • Die Kekse sind nach dem Backen noch ziemlich weich, werden beim Auskühlen aber knusprig. Zum Abkühlen sollte man sie auf ein Kuchengitter oder ähnliches geben, damit die Unterseite nicht matschig wird.
Während des Backens
Während des Backens
Fast fertig
Fast fertig
Fertig!
Fertig!

Die Kekse schmecken ziemlich genau so wie die Gewürzkekse, die man in estnischen Supermärkten in diesen ziemlich unscheinbaren, durchsichtigen Packungen kaufen kann, die meistens ganz unten im Regal liegen, weil sie nicht mit den bunten Markenkeksverpackungen mithalten können (dafür sind sie aber auch billiger). Ich bin immer wieder erstaunt, wie nah Selbstgemachtes nach estnischen Rezepten geschmacklich den Produkten kommt, die ich mit glücklichen (Kindheits-)Momenten in Estland verbinde (gilt zum Beispiel auch für Rukkileib, also Roggenbrot).

Mit den Keksen kann man es sich wunderbar im Sessel oder auf dem Sofa gemütlich machen und ein gutes Buch lesen und/oder gute Musik hören. Und wer – wie ich – nicht das Glück hat, dabei noch eine Katze kraulen zu können, der kann sich als kleinen Ersatz den Song „Kassid“ von Sten-Olle anhören. Denn dieses Lied heißt nicht nur „Katzen“, sondern … ach, hört selbst. Sten-Olle ist übrigens eine meiner neuesten Entdeckungen aus der estnischen Musikszene, genau wie die Gruppe Mamm, bei der er auch Mitglied ist – neben der hier im Blog schon mehrfach erwähnten Mari Jürjens und Aivar Surva. Ebenfalls ganz tolle, schöne Musik, von der man sich auf der von mir verlinkten Soundcloud-Seite ein bisschen was anhören kann. Momentan würde ich wirklich gerne wieder in Tartu leben (aber eigentlich will ich das ja immer), denn musikalisch ist da gerade wahnsinnig viel los. Fast alle Bands, die ich gerne mag, haben in den letzten Monaten dort gespielt, sämtliche Album-Release-Konzerte finden zur Zeit im Genialistide Klubi statt, außerdem legen dort häufig gute DJs auf (oder auch beides an einem Abend, zum Beispiel wurden Tenfold Rabbit beim Release-Konzert zu ihrem neuen Album von Firejosé unterstützt). Auf den Fotos und in den Videos sieht es in dem doch eher kleinen Club immer wahnsinnig voll aus, Tartu braucht bald wohl mal eine wirklich große Konzertlocation. Mit dem Konzert von Odd Hugo nächste Woche Sonntag hier in Leipzig habe ich immerhin einen kleinen Ersatz für die vielen Konzerte in Tartu, die ich gerade verpasse. Darauf freue ich mich schon sehr, das wird sicherlich ein schöner erster Advent.

Advertisements

6 Gedanken zu “Schon wieder was Leckeres

  1. Hmmm . . . , sicher sehr schmackhaft, diese Kekse!
    „küpsis“ (Keks) ist wirklich ein lustiges Wort.
    Ein weiteres ist „mänguväljak“ (Spielplatz). Ich freue mich immer, wenn ich das irgendwo lese – genau wie Du selbst.
    Da fallen mir gerade noch paar ein:
    „supelpüksid“ (Badehose),
    „hapukapsas“ (Sauerkraut),
    „müügiks“ (zu verkaufen),
    „hämmeldunud“ (verwirrt, perplex),
    „hüppetorn“ (Sprungturm),
    „joonistusplokk“ (Zeichenblock),
    „juukselakk“ (Haarspray),
    „jäätisemüüja“ (Eisverkäufer),
    „kilekott“ (Einkaufstüte),
    „kingsepp“ (Schuster),
    „süsi“ (Kohle),
    „öö“ (Nacht),
    „prügi“ (Abfall),
    „küttepuud“ (Brennholz),
    „suusalift“ (Skilift).
    Fortsetzung jederzeit . . .

    1. Oh ja, die Liste meiner persönlichen Lieblingswörter ist auch sehr lang. Nicht fehlen darf vor allem „süsihappegaaskustuti“. Oder auch „ohulüliti“. Aber bei den meisten Wörtern habe ich die Erfahrung gemacht, dass sie gar nicht so lustig oder kurios klingen, wenn ein Muttersprachler sie korrekt ausspricht. In dem Buch „Meie Inimesed“ schreibt ja auch jemand, er habe noch kein schöneres Wort als „öö“ entdeckt.

  2. Das ist ja ein tolles Rezept! War auf der Suche nach neuen Rezepten und bin dabei auf deinen Blog gestoßen.

    Verziert ihr die Kekse noch mit Zuckerguss oder ähnlichem oder bleiben die so nackig?

    Ich werde das Rezept auf jeden Fall mal probieren. Danke dafür :)

    1. Hallo,

      freut mich, dass dir das Rezept gefällt. :)

      Bei uns sind die Kekse schon längst aufgefuttert. ;) Ich hab sie nicht mehr verziert, das ist bei der gerundeten, rauhen Oberfläche vielleicht auch nicht so einfach wie bei Ausstechkeksen, aber man könnte das natürlich ausprobieren. Du kannst ja gerne hier mal schreiben, ob und wie du die Kekse verschönert hast.

  3. Also verschönert habe ich sie nicht mehr und blöderweise waren sie zu lange im Ofen (das hat ein halbierter Apfel aber wieder hinbekommen ;)). Ich kann aber sagen, dass sie super lecker waren! Die wird es jetzt wohl öfter mal geben <3 Danke für das tolle Rezept <3

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s