Ein Hauch Estland in Leipzig-Plagwitz

Am Sonntag spielten Odd Hugo hier in Leipzig, und zwar in der Eisengießerei im Westwerk. Ich kannte dieses Gasthaus vorher noch nicht, habe mich dort aber von der ersten Sekunde an sehr wohlgefühlt. Das ist eine wirklich schöne Location, nicht nur für Konzerte, sondern bestimmt auch einfach nur zum Kaffeetrinken oder für ein Abendessen. Und die Musik von Odd Hugo passte wunderbar dorthin. Im Innenhof sahen wir schon einen Bus mit estnischem Kennzeichen und beim Betreten der Eisengießerei stießen wir direkt auf die Band. So hörten wir auch gleich einige estnische Worte. Sowas macht mich immer direkt glücklich, denn wann bekommt man hier in Deutschland schon mal die Gelegenheit, diese schöne Sprache zu hören?

Odd Hugo Flyer

Das Konzert kostete keinen Eintritt, deshalb waren wir schon recht früh gekommen, denn man weiß ja nie, wieviele Leute sich von einer kostenlosen Veranstaltung anlocken lassen, zumal die Eisengießerei dieses Konzert zu ihrem „Konzert des Monats“ auserkoren hatte. Eine halbe Stunde vor Beginn war es zum Glück noch recht leer und so konnten wir uns einen Platz mit guter Sicht auf die kleine Bühne neben dem Eingang sichern. Mit der Zeit füllte sich der Gastraum aber immer mehr, so dass Odd Hugo schließlich vor einem recht großen Publikum spielen konnten.

Während ihres Konzerts spielte die Band einige neue, noch unveröffentlichte Songs, wie zum Beispiel diesen und diesen. Die neuen Sachen haben mir sehr gut gefallen und ich freue mich wirklich auf das zweite Album, das 2015 erscheinen soll. Natürlich waren aber auch die alten „Hits“ dabei, mit den beiden so wunderbar zusammenpassenden Stimmen, dazu Ukulele, Gitarre, Schlagzeug, Klavier und diverse Blasinstrumente. Das Schreibmaschinen-Geklapper, das Bestandteil des Songs „I Have A Story“ ist, ging leider auch dieses Mal ähnlich unter wie beim Konzert in Jena, aber ich glaube, Odd Hugo haben das Publikum insgesamt wirklich beeindruckt. Zwischen den Songs versuchten sie sich immer wieder mal an ein bisschen Deutsch und übersetzten ihre Songtitel ins Deutsche („Küschen im fallenden Regen“). An einer Stelle aber sagte Oliver, einer der beiden Sänger, er würde jetzt einfach auf Estnisch weitersprechen – und zwar sagte er das auf Estnisch, was die meisten im Publikum ziemlich verwirrt haben dürfte. Aber er machte diese „Drohung“ nicht wahr.

Es war toll, in dieser schönen Atmosphäre zu sitzen, Kräutertee zu trinken und der Musik zu lauschen. Ich hab mich schon fast wie in Estland gefühlt, die Eisengießerei würde wirklich gut nach Tallinn passen, und am Tisch neben uns unterhielten sich die Leute auf Englisch, so dass es wirkte, als sei man in eine Veranstaltung mit internationalen Studenten geraten. Das Einzige, was ich ein bisschen schade fand, war dass die Band dieses Mal den Song „Three Bullets“ nicht gespielt hat, aber bei ihrem mittlerweile relativ großen Repertoire an guten Songs ist das wirklich zu verschmerzen. Am Ende ging noch eine Spendendose rum, die das Publikum großzügig mit Geld für die Band füllte. Ein paar ältere Leute vom Tisch vor uns wollten während des Konzerts gehen, ließen sich aber von Oliver dazu überzeugen, noch am Eingang stehen zu bleiben und dem letzten Song zu lauschen. Da es keinen Backstage-Raum gab, musste auch die Band nach dem Konzert erstmal nach draußen, bevor sie für eine Zugabe wieder hereinkam. Später verkaufte sie noch CDs. Als wir an ihnen vorbei nach draußen gingen, um nach Hause zu fahren, warf uns Rando, der andere Sänger, einen enttäuschten Blick zu, so dass ich ihm noch schnell versicherte, dass wir die CD schon längst haben. Dann verabschiedeten wir uns mit einem „Nägemist!“, konnten aber leider nicht mehr sehen, wie die Band darauf reagierte, weil wir dann schon draußen waren. Alles in allem war das ein sehr schöner Abend und ich kann nur wiederholen, was ich in diesem Blog schon mindestens einmal geschrieben habe: sollten Odd Hugo mal in eurer Nähe spielen, geht unbedingt hin, es lohnt sich! Jetzt ist ihre Tour durch Deutschland und die Niederlande erstmal beendet und sie sind zurück in Tartu, aber schon im Januar kommen sie wieder nach Mitteleuropa, da sie dann beim Eurosonic-Festival in Groningen auftreten. Dieses Showcase-Festival ist ein sehr wichtiges Event für Newcomer-Bands, somit ist es eine große Ehre für Odd Hugo, dass sie dort spielen dürfen, zumal sie 2015 neben Frankie Animal die einzigen estnischen Vertreter im Line-Up sind (aus Lettland sind übrigens unter anderem Carnival Youth dabei, über deren Konzert in Leipzig ich hier geschrieben habe).

Da wir keine Kamera dabei hatten, konnten wir beim Konzert nur ein paar Handyfotos machen, die alles andere als gut geworden sind, aber ich möchte euch trotzdem ein paar davon zeigen, einfach, damit die schöne Atmosphäre beim Konzert ein klein bisschen deutlicher wird.

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Zum Abschluss noch ein Video von Odd Hugo in Leipzig – allerdings nicht von diesem Konzert, sondern von einer kleinen Akustik-Session, die die Band bei ihrer Tour im Frühling auf dem Dach eines der Gebäude auf dem Gelände der ehemaligen Baumwollspinnerei (ebenfalls im Stadtteil Plagwitz) gespielt hat. Auf dem Spinnereigelände befindet sich übrigens auch das Museum, in dessen Bibliothek ich im August ein Praktikum gemacht habe.

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Ein Gedanke zu “Ein Hauch Estland in Leipzig-Plagwitz

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