Weihnachtsgrüße vom Präsidenten

Die Feiertage stehen nun ja wirklich so dicht vor der Tür, dass man sich nicht mehr wehren kann. Vor zwei Jahren um diese Zeit habe ich hier im Blog in einem Post die Weihnachtskarte vom Rahvusarhiiv, dem estnischen Nationalarchiv, verlinkt. Auch in diesem Jahr möchte ich wieder einen E-Card-Weihnachtsgruß aus Estland an euch „weiterleiten“. Und zwar von niemand Geringerem als Toomas Hendrik Ilves, dem estnischen Staatspräsidenten. Die Musik, die man zu hören bekommt, wenn man den Link öffnet, ist vom Viljandi Guitar Trio, einem – wer könnte es ahnen? – aus der Stadt Viljandi stammenden Gitarrenmusik-Trio, dem auch Argo Vals angehört, den ich hier im Blog schon mindestens ein Mal erwähnt habe. Hier entlang geht es zu der Weihnachts-E-Card. Ich finde sie sehr schön, denn sie ist nicht kitschig, sondern stimmt einfach ruhig auf die „besinnlichen Tage“ ein. Der Künstler Eiko Ojala hat ein Motiv geschaffen, das einige für Estland typische Dinge in komprimierter Form zusammenfasst – die Landschaft (die allerdings vielleicht ein bisschen zu hügelig wirkt), die Städte, die Menschen und einige Facetten ihres Lebens. Vielleicht erkennt ihr ja das ein oder andere Gebäude wieder?

Apropos Toomas Hendrik Ilves. Seine Frau hat vor Kurzem ein Buch herausgegeben. Damit ist sie nicht die erste „First Lady“ (auf Estnisch übrigens esileedi) der Welt, die ein Buch veröffentlicht. Aber Evelin Ilves hat nicht etwa über ihr Leben mit dem Präsidenten geschrieben (oder schreiben lassen). Nein, ihr Buch trägt den Titel „Leib – ilo ja vägi“. Das bedeutet übersetzt: „Brot – Schönheit und Macht“. Irgendwie finde ich es so wahnsinnig passend zu Estland, dass die Frau des Staatspräsidenten ausgerechnet ein Backbuch geschrieben hat. Aber weil Esten nicht nur Traditionelles lieben, sondern auch modern und weltoffen sind, ist das Buch durchgängig auf Estnisch und Englisch verfasst. Aber so sympathisch das Ganze ist, kommt man doch nicht umhin, zu vermuten, dass Frau Ilves das Buch auch mit der Intention geschrieben hat, sich beim Volk wieder beliebter zu machen, nachdem ihr im August dieses Jahres eine Affäre mit einem jungen Franzosen unterstellt wurde. Womit könnte man eine Hausfrau, die regelmäßig die Illustrierten liest, wohl besser besänftigen als mit der Veröffentlichung eines Rezeptbuches? Ich kann allerdings nichts dazu sagen, ob dieses Gerücht mit der Affäre überhaupt stimmt, dafür interessiere ich mich zu wenig für Klatsch und Tratsch, egal, ob es um Deutschland oder Estland geht.

Für Musik interessiere ich mich dafür umso mehr. Nachdem der litauische YouTube-Kanal „Vilnius Temperature“ vor ungefähr zwei Monaten ja schon eine tolle Version des Songs „Pawns in a Line“ von den Galvanic Elephants veröffentlich hatte (siehe hier), gibt es nun ein zweites Video von der Mini-Tour durch Estland. Und zwar haben die Macher des Kanals sich am Stroomi-Strand bei Tallinn mit Marten Kuningas und seiner Band getroffen, wo dann bei nebligem Herbstwetter eine besonders schöne Version von „Tagurpidi Vaal“ entstanden ist. Der Titel dieses Songs lässt sich nicht so richtig gut ins Deutsche übersetzen, tagurpidi bedeutet falsch herum, und der vaal ist der Wal. Als Kind hätte ich vielleicht durchaus die Formulierung „falschrummer Wal“ gewählt, aber das ist natürlich nicht besonders elegant. „Wal, der falsch herum liegt“ klingt als Songtitel aber auch doof. Egal wie, das Lied ist jedenfalls schön und passt auch gar nicht schlecht zu den (hoffentlich) ruhigen Feiertagen.

In diesem Sinne: Rõõmsaid Jõulupühi! – Frohe Weihnachtstage!

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