Erlebnisse in Südestland

Den Samstag Vormittag verbrachten wir in Tartu, um nach weiteren Veränderungen und Street-Art-Motiven Ausschau zu halten. Außerdem wollten wir ein bisschen shoppen gehen. Neben ein paar CDs von estnischen Bands, einigen Tafeln guter Kalev-Schokolade und neuen Tassen mit regionalen Trachtenmustern haben wir auch den Film „Mandariinid“ auf DVD erstanden (Näheres zu dem Film hier). Bilder von all den Sachen, die wir im Laufe des Urlaubs gekauft haben, und meine Meinung zu dem Film gibt es demnächst. Bei unserem Rundgang durch Tartu sind außer den Street-Art-Bildern nur ein paar wenige Fotos entstanden, schließlich habe ich in dieser Stadt im Laufe der Jahre schon gefühlt drei Millionen Bilder gemacht.

Dieser originelle Brunnen steht bei der Unibibliothek
Dieser originelle Brunnen steht bei der Unibibliothek
Das Gebäude einer Studentenverbindung gegenüber von der Unibibliothek
Das Gebäude einer Studentenverbindung gegenüber von der Unibibliothek
Eingang der Unibibliothek
Eingang der Tartu Ülikooli Raamatukogu, der Tartuer Unibibliothek
Die Bibliothek konnte für eine Weile auch nachts genutzt werden, ein spezielles Angebot für die Studenten, bei denen die Prüfungen kurz bevorstanden
Die Bibliothek konnte für ein paar Tage auch nachts genutzt werden, ein spezielles Angebot für die Studenten, deren Prüfungen kurz bevorstanden
In diesem Gebäude befand sich bis 1988 das Tartuer Kunstmuseum (das älteste Museum Estlands), das inzwischen sein Zuhause im berühmten "schiefen Haus" am Rathausplatz hat
In diesem Gebäude befand sich bis 1988 das Tartuer Kunstmuseum (das älteste Museum Estlands), das inzwischen sein Zuhause im berühmten „schiefen Haus“ am Rathausplatz hat
In der Nähe des Ajalooarhiiv
In der Nähe des Ajalooarhiiv, meinem früheren Arbeitsplatz
Am Tennisplatz am Fuße des Dombergs gibt es jetzt ein Café
Am Tennisplatz am Fuße des Dombergs gibt es jetzt ein Café
Im Kesklinna Park, dem Park in der Innenstadt, fand an diesem Wochenende die Europameisterschaft der Waldarbeit statt. Die eigentlichen Wettkämpfe (Sägen und sowas) haben wir uns nicht angesehen, sondern sind nur einmal über das Gelände gelaufen, wo man Sägearbeiten aller Art erstehen konnte.
Im Kesklinna Park, dem Park in der Innenstadt, fand an diesem Wochenende die Europameisterschaft der Waldarbeit statt. Die eigentlichen Wettkämpfe (Sägen und ähnliche Disziplinen) haben wir uns nicht angesehen, sondern sind nur einmal über das Gelände gelaufen, wo man Sägearbeiten aller Art erstehen konnte.

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Werbung für den Buchhalterkurs an der Olustvere teenindus- ja maamajanduskool (Dienstleistungs- und Landwirtschaftsschule in Olustvere, Landkreis Viljandimaa)
Werbung für den Buchhalterkurs an der Olustvere teenindus- ja maamajanduskool (Dienstleistungs- und Landwirtschaftsschule in Olustvere, Landkreis Viljandimaa)
Dieser Fuchs posierte fröhlich neben einem Werbeplakat für die Tartuer Kunsthochschule
Dieser Fuchs posierte fröhlich neben einem Werbeplakat für die Tartuer Kunsthochschule
Auch das estnische Komponistenfestival fand an diesem Wochenende in Tartu statt. In dieser Stadt ist - vor allem im Sommer - immer was los.
Auch das estnische Komponistenfestival fand an diesem Wochenende in Tartu statt. In dieser Stadt ist – vor allem im Sommer – eben immer was los.
An einem Haus auf der Vallikraavi findet man dieses Bild zum Thema "Estnischer Film"
An einem Haus auf der Vallikraavi findet man dieses Bild zum Thema „Estnischer Film“

Am Nachmittag dann fuhren wir nach Otepää. Kaum hatten wir die „Winterhauptstadt“ erreicht, fing es an zu regnen. Daher verzichteten wir auf die sonst üblichen Spaziergänge zum grünen Häuschen und zum See. Stattdessen fuhren wir beides mit dem Auto an. Die Tradition des Pizzaessens bei „Merano“ führten wir aber fort. Wir wurden wie immer von der gleichen Kellnerin bedient, die schon seit Jahren in der Pizzeria arbeitet. Dieses Mal habe ich es sogar geschafft, die Bestellung komplett auf Estnisch abzuwickeln. Die Pizza war lecker wie eh und je und auch sonst hatte sich eigentlich nichts verändert. Leider hatte die Touristeninformation am Busbahnhof, sonst gute Quelle für Postkarten und Mitbringsel, nach dem Mittagessen schon zu, obwohl wir eine Stunde vor dem regulären Ende der Öffnungszeiten kamen. Daher hielten wir uns insgesamt nicht allzu lange in Otepää auf.

Werbung für den örtlichen Maxima-Supermarkt am Ortseingang von Otepää. Der Bärenkopf spielt auf den Namen und das Wappen der Stadt an und wünscht einen "starken Einkauf" (im Deutschen hätte man da wahrscheinlich das Adjektiv "bärenstark" verwendet).
Werbung für den örtlichen Maxima-Supermarkt am Ortseingang. Der Bärenkopf spielt auf den Namen und das Wappen der Stadt an. Das Plakat wünscht einen „starken Einkauf“ (im Deutschen hätte man da wahrscheinlich das Adjektiv „bärenstark“ verwendet) und verspricht günstige Preise.
Storchennest auf einem Mast bei dem Ferienhaus, in dem Stephan und ich 2011 gewohnt haben
Storchennest auf einem Mast bei dem Ferienhaus, in dem Stephan und ich 2011 für zwei Wochen gewohnt haben

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Früher gab es am Rathaus ein Café, in dem man leckeren Rhabarberkuchen und Saft zum Spottpreis bekam. Seit einigen Jahren ist dort diese Kebab-Bude
Früher gab es am Rathaus ein Café, in dem man leckeren Rhabarberkuchen und Saft zum Spottpreis bekam. Seit einigen Jahren ist dort stattdessen diese Kebab-Bude – aus meiner Sicht keine Verbesserung.
Fahnen: Estland, EU, Otepää
Fahnen: Estland, EU, Otepää
Dass der "Winterplace" jetzt suletud, also geschlossen ist, könnte man auch ohne das Schild erkennen
Dass der „Winterplace“ jetzt suletud, also geschlossen, ist, könnte man auch ohne das Schild erkennen
Hier findet im Winter immer das "Snowtubing" statt, jetzt sah es - vor allem im Regen - etwas trostlos aus.
Hier findet im Winter immer das „Snowtubing“ statt, jetzt sah es – vor allem im Regen – etwas trostlos aus.
Der Strand am Pühajärv wartet auf den Sommerbadebetrieb
Der Strand am Pühajärv wartet auf den Sommerbadebetrieb

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Anschließend steuerten wir einen weiteren See an, in dem ich schon als Kind oft gebadet habe, und zwar den Kärnjärv, nicht weit von Otepää entfernt. Bei Regen und Nebel war an Baden zwar nicht zu denken, aber es ist einfach total schön an diesem See, an dessen Ufer sich die rustikale Sauna befindet, die in unseren Familienurlauben zu den regelmäßig aufgesuchten Zielen gehörte. Der Weg zu dem See führt über eine Staubstraße durch den Wald. Dort hatten wir dieses Mal ein ganz besonderes Erlebnis, das zugleich schön und traurig war. Mitten auf der Straße sahen wir auf einmal ein kleines Entenbaby, das auf dem Rücken lag und mit den Beinchen strampelte. Wir hatten erst Angst, es überfahren zu haben, denn so richtig sehen konnten wir es erst, als wir schon nicht mehr bremsen konnten. Wir haben dann kurz dahinter angehalten und sind ausgestiegen. Das Entchen ist zum Glück unversehrt geblieben, war aber ganz allein und schaffte es nicht, sich umzudrehen. Ich habe es dann in die Hände genommen, wo es sich mit den kleinen Krallen an seinen Füßen festhielt und ganz schön doll zitterte. Es war unheimlich niedlich und total flauschig, hat aber auch einmal versucht, mich mit dem Schnäbelchen zu kneifen. Ich wollte schon immer mal so ein Küken in der Hand halten, aber die Situation war zu traurig, um sich darüber zu freuen, denn schließlich hatte das Kleine offensichtlich seine Mutter und seine Geschwister verloren. Wir wussten gar nicht, was wir tun sollten, weit und breit war außer uns kein Mensch und auch kein Haus. Wir haben das Entchen dann mitgenommen und sind mit dem Auto die letzten paar Meter bis zum See gefahren, wo wir es schließlich ins Wasser gesetzt haben, in der Hoffnung, dass auch die Mutter und die Geschwister sich in der Nähe befanden oder bald am See nach dem Kleinen suchen würden. Es ist dann sofort losgeschwommen und hat angefangen zu fiepen. Wir standen noch eine ganze Weile auf dem Steg und haben ihm zugesehen, das war geradezu herzzerreißend und wir hatten keine Ahnung, ob wir dem Entchen wirklich geholfen hatten oder nicht. Ich kann nicht einschätzen, ob es schon alleine überleben konnte und ob die Mutter es wohl wiederfinden würde, aber immerhin hatten wir das Entchen vor den Autos auf der Straße gerettet. Mehr konnten wir leider nicht tun. Ganz viel Glück, pardike (Entchen)!

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Die Sauna am See
Die Sauna am See

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Da wir in Otepää und Umgebung wegen des schlechten Wetters weniger Zeit verbracht hatten als erwartet, beschlossen wir, noch nach Võru zu fahren. Diese Kleinstadt befindet sich etwa 70 Kilometer südlich von Tartu und ist die Hauptstadt des Landkreises Võrumaa. Mein letzter Besuch dort war schon ein paar Jahre her und daher war ich gespannt, wie es dort heute aussieht. Früher waren wir manchmal bei dem Folklore-Festival, das seit 1995 jedes Jahr im Juli in der Stadt stattfindet. Dort treten Musik- und Tanzgruppen aus Estland und vielen anderen Ländern auf. Interessant ist an Võru außerdem die Tatsache, dass sich auf dem Stadtgebiet drei Seen befinden, so dass sich der Ort auch für einen Badeausflug eignet. An diesem grauen und nassen Samstag jedoch war kaum etwas los. Zum Glück hörte der Regen für eine Weile auf, so dass wir einen kleinen Rundgang im Trockenen machen konnten.

Schöne Allee, die zum Strand führt
Schöne Allee, die zum Strand führt
Die Fassade des Võrumaa-Museums ist schön bemalt
Die Fassade des Võrumaa-Museums ist schön bemalt

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Eduard Pütsep war ein estnischer Ringer, der 1924 bei den Olympischen Spielen in Paris die Goldmedaille gewann und auch sonst sehr erfolgreich war. Das Ringen ist traditionell eine sehr verbreitete und beliebte Sportart in Estland.
Eduard Pütsep war ein estnischer Ringer, der 1924 bei den Olympischen Spielen in Paris die Goldmedaille gewann und auch sonst sehr erfolgreich war. Das Ringen ist traditionell eine sehr verbreitete und beliebte Sportart in Estland.
Der Sprachwissenschaftler und Theologe Jakob Hurt engagierte sich im 19. Jahrhundert für die Stärkung der estnischen Sprache und Kultur. Er war früher auf dem 10-Kronen-Schein abgebildet.
Der Sprachwissenschaftler und Theologe Jakob Hurt engagierte sich im 19. Jahrhundert für die Stärkung der estnischen Sprache und Kultur. Er war früher auf dem 10-Kronen-Schein abgebildet.

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Auch die wichtige Rolle der Musik in der estnischen Kultur wird an der Museumsfassade gewürdigt
Auch die wichtige Rolle der Musik in der estnischen Kultur wird an der Museumsfassade gewürdigt
Statue von Katharina II (Katharina die Große). Nach ihr ist auch die Straße benannt, auf der sich die Statue und das Museum befinden: Katariina
Statue von Katharina II (Katharina die Große). Nach ihr ist auch die Straße benannt, auf der sich die Statue und das Museum befinden: Katariina

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Statue des Arztes und Schriftstellers Friedrich Reinhold Kreutzwald, der von 1833 und 1877 Stadtarzt von Võru war. Er ist der Verfasser des estnischen Nationalepos "Kalevipoeg" und wird auf dem Sockel dieser Statue als lauluisa, also Liedervater bezeichnet. In jeder estnischen Stadt gibt es eine Straße, die nach ihm benannt ist.
Statue des Arztes und Schriftstellers Friedrich Reinhold Kreutzwald, der von 1833 und 1877 Stadtarzt von Võru war. Er ist der Verfasser des estnischen Nationalepos „Kalevipoeg“ und wird daher auf dem Sockel dieser Statue als lauluisa, also Liedervater, bezeichnet. In so gut wie jeder estnischen Stadt gibt es eine Straße, die nach ihm benannt ist.
Am Strand des Tamula järv, einem der drei städtischen Seen
Am Strand des Tamula järv, einem der drei städtischen Seen

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Die Katariina kirik (Katharinenkirche)
Die Katariina kirik (Katharinenkirche)

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Dieser Brunnen befindet sich neben dem Võrumaa Toidukeskus, also dem Essenszentrum. Das klingt allerdings größer und bedeutender, als es ist, eigentlich ist da nur ein Supermarkt und ein Restaurant
Dieser Brunnen befindet sich neben dem Võrumaa Toidukeskus, also das „Nahrungszentrum“. Das klingt allerdings größer und bedeutender, als es ist, eigentlich ist da nur ein Supermarkt und ein Restaurant.

Insgesamt ist Võru keine wahnsinnig aufregende Stadt, aber inzwischen auf jeden Fall interessanter, als ich es von früher in Erinnerung hatte, und – vor allem in Strandnähe – ganz schön. Da es irgendwann wieder zu regnen anfing, fuhren wir zum Abschluss des Tages noch zum Lõunakeskus, einem großen Einkaufszentrum am Stadtrand von Tartu. Lõunakeskus bedeutet Südzentrum, bei Rakvere gibt es das (kleinere) Nordpendant, das Põhjakeskus. Auf der Eisbahn, die sich mitten in dem Zentrum befindet, fand gerade ein Eishockeyspiel statt. Sonst hatte ich dort immer nur Kinder beim Eiskunstlauftraining gesehen.

Am nächsten Tag mussten wir Tartu schon verlassen, worüber wir ziemlich traurig waren. Diese Stadt wird sich für mich wohl immer wie ein zweites Zuhause anfühlen. Aber wir hatten auch Gründe zur Freude, schließlich hatten wir noch vier ganze Tage in Estland vor uns, von denen ich natürlich auch noch berichten werde.

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2 Gedanken zu “Erlebnisse in Südestland

  1. Der besondere „Reiz“ von Võru liegt vielleicht gerade darin, dass sich so wenig verändert hat! Für estnische Verhältnisse ist es tiefste Provinz, außerdem eine der ärmsten Gegenden des Landes. Ich finde, dass man beim Spaziergang durch die stillen Straßen allerlei kuriose Holzbauten (und Hinterhöfe!) entdecken kann, die zum größten Teil noch nicht renoviert sind. Hätte diese Stadt nicht so einen Schachbrettgrundriss (der übrigens auf besagte Katharina II. zurückgeht), dann wäre sie bestimmt ganz und gar verbaut. Das blaugrüne Haus am Seeufer mit den drei im Hof aufgereihten Ladas habe ich übrigens auch schon mal geknipst; das war 2011. Auch da hat sich offensichtlich nix getan!

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