Eine Insel ohne Berge – aber wer braucht schon Berge?

Wisst ihr, wie viele Inseln zu Estland gehören? Sage und schreibe 1.521! Davon sind allerdings nur die wenigsten bewohnt. Die größte Insel – sowohl flächenmäßig als auch in Bezug auf die Einwohnerzahl – ist Saaremaa. Dort war ich als Kind einmal, im Jahre 1998, danach nicht mehr. Bis vor fast zwei Wochen. Eine Reise nach Saaremaa beginnt für gewöhnlich in Virtsu (Landkreis Läänemaa). Dort befindet sich der Hafen, an dem die Fähre startet. Diesen steuerten wir am Montag Morgen nach der Übernachtung in Haapsalu an. Wir mussten eine Weile warten, dabei konnten wir schon eine ankommende Fähre beobachten. Ganz schön faszinierend, wieviele Autos, LKWs und Busse in dieses gar nicht allzu groß wirkende Schiff passen. Während wir warteten, wurde im Radio schönes Wetter für fast ganz Estland angesagt – außer für die Landkreise Läänemaa, Hiiumaa und Saaremaa. Während der etwa halbstündigen Überfahrt war es auch tatsächlich ziemlich grau und neblig, so dass kaum jemand das päikesetekk (Sonnendeck) nutzte. Besonders aufregend ist diese Strecke aber sowieso nicht, wenn man nach Hiiumaa fährt, gibt’s mehr zu sehen. Kaum hatten wir Kuivastu erreicht, stellte sich die Wettervorhersage von Raadio 2 jedoch als falsch heraus – die Sonne schien, und das sollte den ganzen Tag so bleiben.

Wenn man in Kuivastu angekommen ist, ist man noch nicht auf Saaremaa, sondern erst einmal auf Muhu, sozusagen der „Vorinsel“ von Saaremaa. Die beiden Inseln sind über einen Damm miteinander verbunden. Auch diese Insel, die drittgrößte des Landes, ist sehenswert, aber wir beschlossen, uns dort erst am nächsten Tag bei der Rückreise umzusehen. Stattdessen fuhren wir direkt über den Damm nach Saaremaa, wo wir schon bald einen schönen Strand erreichten, den Jõiste rand.

"Du bist hier"
„Du bist hier“

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"Lieber Urlauber, verhalte Dich am Strand ruhig. Laute Musik verboten! In der Nähe leben gute Menschen!"
„Lieber Urlauber, verhalte Dich am Strand ruhig. Laute Musik verboten! In der Nähe leben gute Menschen!“

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Nicht weit entfernt befinden sich die Windmühlen von Angla. Windmühlen, insbesondere Bockwindmühlen, sind sehr typisch für Saaremaa, sie zieren die Etiketten der Flaschen von Saaremaa Vodka, Saaremaa Vesi (Mineralwasser) und der Biersorte Saaremaa Tuulik (tuulik oder tuuleveski bedeutet auch Windmühle) von A. Le Coq. In Angla stehen gleich fünf Windmühlen nebeneinander.

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Von Angla aus fuhren wir immer an der Nordküste entlang in Richtung Vilsandi Rahvuspark (Vilsandi-Nationalpark). Dieser befindet sich im Osten der Insel. Unterwegs bogen wir hier und da immer mal wieder von der Hauptstraße ab – kein Problem, da sich der Verkehr auf Saaremaa stark in Grenzen hält (im Vergleich zu Hiiumaa im Herbst 2012 war aber geradezu viel los).

Schöne Küstenabschnitte wie diesen gibt es zuhauf
Schöne Küstenabschnitte wie diesen gibt es zuhauf

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Das Panga-Kliff (estnisch Panga pank). Kliffs gibt es an Saaremaas Küsten viele, dieses hier ist das höchste.
Das Panga-Kliff (estnisch Panga pank). Kliffs gibt es an Saaremaas Küsten viele, dieses hier ist das höchste von allen.
Sonnenuhr beim Panga-Kliff. Die Uhrzeit stimmt.
Sonnenuhr beim Panga-Kliff. Die Uhrzeit stimmt ziemlich genau.

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Überreste aus den beiden Weltkriegen findet man viele auf Saaremaa (mehr dazu auch weiter unten).
Überreste aus den beiden Weltkriegen findet man viele auf Saaremaa (mehr dazu im nächsten Post).

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Denkmal für die Opfer der "Estonia"-Katastrophe am Kliff von Tagaranna. Die Ostseefähre mit diesem Namen sank am 28.09.1994 auf dem Weg von Tallinn nach Stockholm.
Denkmal für die Opfer der „Estonia“-Katastrophe am Kliff von Tagaranna. Die Ostseefähre mit diesem Namen sank am 28.09.1994 auf dem Weg von Tallinn nach Stockholm, mehr als 850 Menschen kamen ums Leben.
Wir konnten nicht herausfinden, welchen Hintergrund dieser Graben bei Tagaranna hat.
Wir konnten nicht herausfinden, welchen Hintergrund dieser Graben bei Tagaranna hat.

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Schließlich erreichten wir das Gebiet, in dem der Vilsandi-Nationalpark beginnt. Vilsandi ist eine kleine Insel mit etwa 20 oder 30 Einwohnern, zum gleichnamigen Nationalpark gehören allerdings auch einige andere, kleinere und unbewohnte Inseln sowie ein kleiner Teil von Saaremaa. Wir mussten erst eine Weile rumkurven, bis wir eine Stelle gefunden hatten, von der aus man ohne lange Wanderung (wir hatten mal wieder nicht allzu viel Zeit) den Nationalpark erleben konnte.

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Noch eine Windmühle
Noch eine Windmühle
Hier hielten wir schließlich an, denn ...
Hier hielten wir schließlich an, denn …
... dieser Aussichtsturm versprach einen guten Ausblick
… dieser Aussichtsturm versprach einen guten Ausblick
Blick von oben
Blick von oben

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Wiederkäuende Küstenbewohner
Wiederkäuende Küstenbewohner

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Bei günstigem Wetter und Wasserstand kann man hier von Inselchen zu Inselchen bis nach Vilsandi spazieren, wir mussten allerdings leider an dieser Stelle kehrtmachen.
Bei günstigem Wetter und Wasserstand kann man hier von Inselchen zu Inselchen bis nach Vilsandi spazieren, wir mussten allerdings leider an dieser Stelle kehrtmachen.

 

Anschließend fuhren wir in die Inselhauptstadt Kuressaare. Ich hatte ja vor einigen Monaten einen Gutschein für eine Nacht im Georg-Ots-Spa-Hotel in Kuressaare gewonnen, den wir nun einlösten. Georg Ots war übrigens ein bekannter Opernsänger, ich weiß allerdings nicht, warum man ausgerechnet ein Spa-Hotel nach ihm benannt hat. Das Hotel, das kurz auch „GO-Spa“ genannt wird, ist eins von mehreren Spa-Hotels in der Stadt. Im Vergleich zu den Hostelzimmern, in denen wir in den vorangegangenen Nächten übernachtet hatten, war das Hotel der absolute Luxus. Unser Zimmer war sehr geräumig und hatte einen Balkon, von dem aus man auf die Burg sehen konnte – im Sonnenschein eine richtige Traumaussicht! Obwohl das tolle Zimmer zum Verweilen einlud und wir auch den Spa-Bereich kostenlos hätten nutzen dürfen, beschlossen wir, das schöne Wetter für einen Stadtrundgang zu nutzen und im Ort etwas essen zu gehen (ein Abendessen im Hotelrestaurant war, im Gegensatz zum Frühstück, nicht im Gutschein inbegriffen). Man fliegt ja schließlich nicht nach Estland, um dann seine Zeit im Hotel zu verbringen, jedenfalls nicht im Sommer.

An Kuressaare, wie auch an den Rest der Insel, konnte ich mich nur noch sehr dunkel erinnern, so dass es nicht nur für Stephan eine ganze Menge Neues zu entdecken gab. Kuressaare ist klein (etwa 13.000 Einwohner), aber sehr schön. Und ziemlich beliebt bei Touristen, derzeit anscheinend insbesondere bei lettischen Reisegruppen in Bussen. Lettische Touristen sind allerdings, wie wir beim fröhlichen Nationalitäten-Raten in der Innenstadt feststellten, deutlich schwerer zu erkennen als deutsche, britische, amerikanische, niederländische und russische. Irgendwie bestätigen viele ja tatsächlich die gängigen Klischees – wir vielleicht auch, wer weiß.

Unser Hotelzimmer
Unser Hotelzimmer
Blick vom Balkon nach rechts ...
Blick vom Balkon nach rechts …
... und nach links
… und nach links
Vom Balkon aus sah man auch diese bekannte  Statue ...
Vom Balkon aus sah man auch diese bekannte Statue …
... an der wir zu Beginn unseres Rundgangs vorbeigingen
… an der wir zu Beginn unseres Rundgangs vorbeigingen
Hier wird erklärt, was es mit der Statue auf sich hat
Hier wird erklärt, was es mit der Statue auf sich hat
Die Bischofsburg
Die Bischofsburg

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Zwei tolle Häuser hinter dem Burgareal
Zwei tolle Häuser hinter dem Burgareal
Blick zurück
Blick zurück

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Denkmal, das an den estnischen Freiheitskrieg (1918-1920) erinnert
Denkmal, das an den estnischen Freiheitskrieg (1918-1920) erinnert
Terrasse des Restaurants Mosaiik, in dem wir gegessen haben
Terrasse des Restaurants Mosaiik, in dem wir gegessen haben

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Auch Kuressaare hat natürlich eine Sängerbühne
Auch Kuressaare hat natürlich eine Sängerbühne

Die Burg von Kuressaare sieht übrigens von oben besonders toll aus, denn die Anlage hat, wie man auf dem Plan weiter oben schon ganz gut erkennen kann, eine besondere Form. Guckt euch mal dieses 360°-Panorama von estonia360.ee an, da ist es gut zu sehen, auch wenn der Schnee auf dem Bild ein bisschen was verdeckt.

Die meisten Restaurants in der Stadt sind absolut auf Touristen ausgerichtet, so auch das Mosaiik, aber das Essen war lecker und wir konnten sogar (mit Jacke) auf der Terrasse sitzen. Nach dem Essen wurde es dann allerdings doch ziemlich kühl, außerdem waren wir müde, daher kehrten wir bald ins Hotel zurück. Das Bett war, wie wir nicht anders erwartet hatten, sehr bequem, die Spaziergänge und die Seeluft taten ihr Übriges, und so schliefen wir wie die Murmeltiere. Was wir am nächsten Tag erlebten, erfahrt ihr demnächst.

Übrigens tut es mir leid, dass sich das mit den Reiseberichten jetzt so weit hinauszögert. Ich arbeite im Moment ziemlich viel, um Geld für den Aufenthalt in England zu verdienen, dazu habe ich natürlich auch noch Vorlesungen. Außerdem werden die Posts durch die vielen Bilder immer so lang, das ich ungern mehrere Tage auf einmal erzählen möchte. Aber jetzt sind ja nur noch drei Reisetage übrig, es ist also bald „geschafft“.

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2 Gedanken zu “Eine Insel ohne Berge – aber wer braucht schon Berge?

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