Noch ein Tag auf der Insel – und Kontrastprogramm am Abend

Unser zweiter Tag auf Saaremaa begann mit einem leckeren Frühstück im Hotel. Am Buffet gab es wirklich alles, was das Herz des Estlandfreunds begehrt: Pfannkuchen, hommikupuder (Frühstücksbrei), verschiedene Fruchtjoghurts, kama, verschiedene Marmeladen, viinerid (Würstchen – warum die viinerid heißen, kann man sich ja denken), Rührei, eingelegten Fisch, … Der perfekte Start für einen weiteren Tag voller Entdeckungen. Und dazu hatte man auch vom Hotelrestaurant aus einen tollen Blick.

Die Sonne, die uns beim Frühstück ins Gesicht geschienen hatte, verzog sich nach unserer Abreise leider bald hinter einer recht dicken Wolkendecke und zeigte sich den Rest des Tages über nur noch selten. Dafür war dieser Dienstag aber einer der wärmsten Tage des ganzen Urlaubs. Von Kuressaare aus fuhren wir als erstes auf die Halbinsel Sõrve. Das ist dieser schmale „Zipfel“ im Südwesten der Insel. Dort befindet sich unter anderem der Leuchtturm von Sääre, ein beliebtes Fotomotiv. Hinter dem Leuchtturm kann man ein gutes Stück auf einer Landspitze entlang laufen, bis man irgendwann von beiden Seiten vom Wasser umringt ist. Der Leuchtturm sah ursprünglich ganz anders aus als heute, er ist aber im zweiten Weltkrieg zerstört und einige Jahre nach Kriegsende in der heutigen Form wieder errichtet worden.

Bei wem man sich beschweren kann, wenn die Garantie nicht eingehalten wird, konnten wir nicht herausfinden.
Bei wem man sich beschweren kann, wenn die Garantie nicht eingehalten wird, konnten wir nicht herausfinden.

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Bunkerreste am Strand
Bunkerreste am Strand

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Weiter geht's nicht. Jedenfalls nicht, wenn man trocken bleiben wird
Weiter geht’s nicht. Jedenfalls nicht, wenn man trocken bleiben will.
Von der Spitze aus wirkt der Leuchtturm geradezu winzig
Von der Spitze aus wirkt der Leuchtturm geradezu winzig
Schon wieder Schwanenbabys
Schon wieder Schwanenbabys

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Spuren der beiden Weltkriege finden sich auf der Halbinsel sehr viele. Deshalb hat man ganz in der Nähe des Leuchtturms auch ein Militärmuseum eingerichtet. Wir wollten uns dort eigentlich nur kurz umsehen, wurden dann aber auf dem Parkplatz direkt von einem älteren Mann angesprochen. Da wir nicht viel Zeit hatten, wollten wir ihn eigentlich abwimmeln, indem wir versuchten, ihm klarzumachen, dass wir kein Estnisch könnten, aber irgendwie hat er wohl mitbekommen, dass ich ihn doch einigermaßen verstehen konnte, und wollte uns eine Führung geben. Er fragte noch, ob wir aus Ostdeutschland kämen, weil wir in diesem Fall doch bestimmt Russisch sprechen würden, aber das mussten wir verneinen, und so erklärte er uns alles auf Estnisch, nachdem er sich dafür entschuldigt hatte, dass er kein Englisch konnte – zu seiner Schulzeit mussten alle Schüler in Estland Russisch lernen. Ich habe ihn auf Estnisch aber wirklich ziemlich gut verstanden, das hat mich selbst erstaunt, ich dachte, ich hätte seit dem Ende meines Praktikums in Tartu schon viel verlernt. Er hat sich aber auch Mühe gegeben, langsam und deutlich zu sprechen und mir genug Zeit zu geben, für Stephan zu übersetzen. Trotzdem war ich ziemlich stolz auf mich, weil ich mich sogar ein kleines bisschen unterhalten konnte, obwohl ich mich nie so recht traue, selbst Estnisch zu sprechen.

Es gibt neben dem Militär- auch noch ein kleines Naturmuseum, das über die Flora und Fauna der Umgebung informiert. Für beide Museen zusammen muss man 4 Euro Eintritt bezahlen, wir hatten aber leider nicht genug Klein- und der Alte kein Wechselgeld. Deshalb gingen wir rüber zu einer Hütte, in der sich gerade zwei Finnen zum Vogelbeobachten aufhielten. Die beiden kommen wohl jeden Sommer für ein paar Wochen, um die große Vogelvielfalt der Insel zu erleben. Sie konnten Geld wechseln („I give you 4 Euros, you give me 4 Euros – that’s fair!“) und so ging die Führung los. Obwohl wir eigentlich ein bisschen genervt davon waren, dass wir jetzt deutlich mehr Zeit im Museum verbringen würden als wir geplant hatten, muss ich rückblickend sagen, dass es wirklich interessant war. Und besonders im Falle des Militärmuseums denke ich, dass man ohne eine Führung wohl nur wenig davon hätte, denn die Räume sind ziemlich vollgestopft mit allen möglichen Relikten aus den beiden Weltkriegen, sowohl von den Russen als auch von den Deutschen. Wie uns erklärt wurde, wurden etwa 70 Prozent der Exponate auf der Halbinsel gefunden, der Rest stammt von anderen Orten auf Saaremaa. Im Naturmuseum finden sich ausgestopfte Tiere, konservierte Pflanzen und so weiter, alles in liebevoller Kleinstarbeit in Vitrinen ausgestellt. Insgesamt würde ich einen Besuch in den beiden Museen schon empfehlen, allerdings fürchte ich, dass man eine Führung nur auf Estnisch oder Russisch bekommen kann.

Am Parkplatz des Museums
Am Parkplatz des Museums

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Im Naturmuseum. Im Militärmuseum haben wir leider keine Fotos gemacht
Im Naturmuseum. Im Militärmuseum haben wir leider keine Fotos gemacht

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Danach machten wir uns allmählich auf in Richtung Muhu, aber natürlich nicht ohne ein paar weitere Zwischenstopps an besonders schönen und/oder interessanten Stellen einzulegen.

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Kleines Steinkunstwerk, das wir errichtet haben
Kleines Steinkunstwerk, das Stephan errichtet hat

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Unter anderem kamen wir an der wohl bekanntesten Sehenswürdigkeit der Insel nach der Burg von Kuressaare, den Kaali-Kratern, vorbei. In der Vergangenheit gab es eine ganze Reihe ziemlich wüster Theorien über die Entstehung der insgesamt neun Krater, inzwischen ist aber klar, dass sie bei einem Meteoriteneinschlag vor über 4.000 Jahren entstanden. In der Nähe hat man ein Besucherzentrum mit Souvenirshop, Gaststätte und allem Drum und Dran eingerichtet. Außer uns, einem russischen Pärchen und einer Gruppe lettischer Jugendlicher waren allerdings gerade keine Touristen vor Ort. Die Krater selbst befinden sich in einem Wald. Der Hauptkrater ist mit Wasser gefüllt (man spricht auch vom Kaali-See) und hat einen Durchmesser von etwa 50 Metern, die anderen acht Krater sind deutlich kleiner. Da es gerade zu regnen begonnen hatte, sahen wir uns nur den Hauptkrater an und fuhren bald weiter.

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Etwas später fuhren wir dann wieder über den Damm nach Muhu. Die wohl wichtigste Sehenswürdigkeit dieser kleineren Insel ist das Freilichtmuseum im Dorf Koguva. Es ist ein besonderes Freilichtmuseum, denn in den meisten der sehr alten Gebäuden leben bis heute Menschen ein sehr traditionelles, dörfliches Leben. Als wir dort waren, war es sehr ruhig und man konnte wunderbar auf den Wegen herumspazieren. Schwer vorstellbar, dass in der Hauptsaison ganze Touristengruppen in Bussen dort hinkommen.

Karte der Insel am Parkplatz
Karte der Insel am Parkplatz
Karte mit den Drehorten von estnischen Filmen auf Saaremaa und Muhu sowie an der Westküste des Festlands. "Kertu" fehlt allerdings noch.
Karte mit den Drehorten von estnischen Filmen auf Saaremaa und Muhu sowie an der Westküste des Festlands. „Kertu“ fehlt allerdings noch.

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Der estnische Schriftsteller Juhan Smuul wurde 1922 in Koguva geboren.
Der estnische Schriftsteller Juhan Smuul wurde 1922 in Koguva geboren.

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Nach ein paar weiteren Zwischenstopps am Meer fuhren wir zum Hafen von Kuivastu und dann mit der Fähre zurück aufs Festland. Da ich nach unserem Besuch auf Hiiumaa vor fast drei Jahren ein kleines Insel-Fazit geschrieben habe, will ich das jetzt auch über Saaremaa tun, auch wenn es nicht mein erster Aufenthalt dort war. Saaremaa ist schön und auf jeden Fall einen Besuch wert, aber ich muss sagen, dass die Insel mich nicht so sehr begeistert hat wie Hiiumaa. Im Grunde unterscheidet sich die größte estnische Insel nicht allzu sehr vom Festland, so dass ich sie nicht als Pflichtziel für Estland-Anfänger bezeichnen würde. Hiiumaa ist aus meiner Sicht an vielen Stellen anders als das Festland, die Natur ist ein bisschen wilder und hat mich an einigen Orten sogar an Island erinnert – das war auf Saaremaa nicht der Fall. Zudem dürfte Saaremaa stärker von Touristen besucht sein, das kann ich aber nicht so richtig gut beurteilen, da ich Hiiumaa bisher nur im Herbst besucht habe. Wer gerne zumindest ein bisschen städtisches Flair möchte, ist auf Saaremaa aber auf jeden Fall besser aufgehoben, auch wenn Kuressaare, der mit Abstand größte Ort der Insel, natürlich auch nicht gerade eine Metropole ist. Insgesamt hat mir Saaremaa aber sehr gut gefallen und ich würde jederzeit wieder hinfahren.

Vom Festlandhafen in Virtsu aus machten wir uns dann direkt auf den Weg nach Tallinn, wo uns zwei Nächte im Radisson Blu Sky Hotel erwarteten (auch das hatte ich gewonnen). Von der ziemlich einsamen Natur und den kaum befahrenen Straßen auf den Inseln in die größte Stadt Estlands zu fahren, die auf mich sowieso immer größer wirkt, als sie ist (vor allem wenn man dort mit dem Auto unterwegs ist), bedeutete das absolute Kontrastprogramm. Ich konnte mir kaum vorstellen, dass wir noch im gleichen Land waren. Auch der Verkehr in Tallinn kann ähnlich anstrengend sein wie in deutschen Großstädten, doch schließlich erreichten wir das Hotel, das mit seinen 24 Stockwerken zu den höchsten Gebäuden in ganz Estland gehört. Wir hatten ein bisschen Angst, in unseren Jeans, T-Shirts und Turnschuhen völlig underdressed zu sein, und der erste Eindruck in der Hotellobby bestätigte diese Befürchtung auch voll und ganz. Überall sah man nur Businessmen in Anzügen, die mit Laptops, Tablets und Smartphones in den modernen Loungesesseln saßen. Auch der ebenfalls anzugtragende Typ an der Rezeption guckte uns etwas komisch an, handelte uns dann aber ganz professionell und geschäftsmäßig ab.

Ich hatte erwartet, dass man uns als Gutscheingewinnern ein vergleichsweise „schlechtes“ Zimmer geben würde, aber im Gegenteil – unser Zimmer befand sich im 21. Stock, also fast ganz oben, und das erste, was uns beim Betreten auffiel, war die nur als perfekt zu bezeichnende Aussicht auf die Stadt. Davon waren wir so fasziniert, dass wir das Zimmer an sich erst gar nicht richtig wahrnahmen. Im Vergleich zu dem schon recht chicen Hotel in Kuressaare bedeutete das Sky Hotel nochmal eine deutliche Steigerung. Auf unserem Stockwerk befand sich auch eine Präsidentensuite, die hätte ich gerne mal gesehen, denn für uns, die wir uns sonst eigentlich nur Hostelübernachtungen leisten können, war schon unser Business-Class-Zimmer der reinste Luxus. Am liebsten hätten wir den Rest des Abends am Fenster gesessen und rausgeschaut, aber der aufkommende Hunger brachte uns dann doch dazu, noch in die Stadt zu gehen (auch in Tallinn beinhaltete der Gutschein nur ein Frühstück, nicht aber ein Abendessen im Hotel), wobei wir feststellten, dass das Hotel mit dem günstigen Hostel, in dem wir in der ersten Nacht des Urlaubs geschlafen hatten, von der Lage her nicht ganz mithalten kann, denn man ist eben nicht mitten in der Altstadt. Aber man kann halt nicht alles haben – vor allem nicht umsonst. Da es schon relativ spät war, aßen wir nur noch eine Kleinigkeit in einer der Filialen der Reval-Café-Kette, und hörten dabei amüsiert den vier Engländern zu, die sich am Nebentisch erst gegenseitig Quizfragen zu Flughäfen und Flugzeugen stellten und dann versuchten, den Namen der Straße, auf der sich das Café befindet, auszusprechen: Müürivahe. Wenn die eigene Muttersprache weder das „ü“ noch das rollende „r“ kennt und man darüber hinaus schon zwei Gin Tonic getrunken hat, wird’s schwierig. Nach dem Essen sahen wir uns Tallinn noch für eine Weile im Dunkeln von oben an (tagsüber ist der Ausblick allerdings eindeutig schöner) und schliefen dann wie die Könige in unseren leider schon letzten Urlaubstag hinein. Von dem berichte ich dann demnächst.

Im Zimmer gab es eine Nespresso-Maschine, an der man sich kostenlos bedienen durfte
Im Zimmer gab es eine Nespresso-Maschine, an der man sich kostenlos bedienen durfte
Das Bett
Das Bett
Sitzgelegenheit am Fenster
Sitzgelegenheit am Fenster
Der Ausblick
Der Ausblick
Stadtplan von Tallinn als Hotelzimmerdeko
Stadtplan von Tallinn als Hotelzimmerdeko
Die folgenden Bilder vom Ausblick sind erst am nächsten Tag entstanden, aber ich dachte mir, ich packe sie alle zusammen in diesen Post
Die folgenden Bilder vom Ausblick sind erst am nächsten Tag entstanden, aber ich dachte mir, ich packe sie alle zusammen in diesen Post

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Blick aus dem Fenster im Flur bei den Aufzügen
Blick aus dem Fenster im Flur bei den Aufzügen

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Stephan sind noch ein paar Sonnenuntergangsbilder gelungen
Stephan sind noch ein paar Sonnenuntergangsbilder gelungen

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