Der letzte Tag

Auch unseren letzten Urlaubstag konnten wir mit einem tollen Frühstück beginnen. Dieses fiel im Tallinner Hotel noch etwas größer und vielfältiger aus als in Kuressaare. Beim Frühstück sah es im Hotel schon etwas anders aus als am Abend, die meisten Leute waren ziemlich normal gekleidet. Ich hatte mir extra eine Bluse eingepackt, die ich vor dem Frühstück noch bei grandioser Aussicht in unserem Zimmer bügeln konnte (Bügelbrett und -eisen sind in Business-Class-Zimmern wohl Standard), aber auch im T-Shirt wäre ich beim Frühstück wahrscheinlich nicht weiter aufgefallen. Nachdem wir uns die Bäuche mit Pfannkuchen, Obst, Frühstücksbrei, Brot mit hausgemachtem Frischkäse und Lachs und so weiter vollgeschlagen hatten, beschlossen wir, das schöne Wetter für einen Ausflug zu nutzen, anstatt den ganzen Tag in der Hauptstadt zu verbringen.

In der Umgebung von Tallinn gibt es zwei Wasserfälle, die zwar nicht ganz so beeindruckend sind wie die Exemplare, die man zum Beispiel in Island sehen kann, aber doch auf jeden Fall einen Besuch lohnen. Zuerst steuerten wir den Jägala-Wasserfall (Estnisch Jägala juga) östlich von Tallinn an. Dieser ist der größte Wasserfall des Landes. 2011 waren wir dort schonmal hingefahren, damals schüttetete es aber wie aus Eimern (wie man hier auf einem Foto sehen kann) und wir sind nur ganz kurz aus dem Auto ausgestiegen. Dieses Mal allerdings schien die Sonne und es war angenehm warm, so dass wir uns ein Weilchen dort aufhielten.

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Oberhalb des Wasserfalls kühlte sich gerade ein Storch die Beine ab.
Oberhalb des Wasserfalls kühlte sich gerade ein Storch die Beine ab.

Bevor es zum zweiten Wasserfall ging, machten wir noch einen Abstecher nach Kaberneeme. Das ist ein Dorf am Meer mit einem besonders schönen Strand. Dort habe ich 2007 mit meinen Eltern einmal in einem ebenfalls sehr schönen Hotel mit einer tollen Terrasse am Meer übernachtet. Das wollte ich Stephan gerne einmal zeigen, leider war kurz vor dem Hotel gerade eine Baustelle, die das Bild etwas trübte. Daher verließen wir Kaberneeme sehr schnell wieder. Bei der Rückfahrt sahen wir am Straßenrand einen Fuchs, der offensichtlich keine Angst vor unserem Auto hatte und sich daher gut fotografieren ließ.

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Um den zweiten Wasserfall, den Keila juga, zu erreichen, mussten wir erstmal zurück in Richtung Tallinn, die Hauptstadt umfahren und uns dann nach Westen orientieren. Der Keila-Wasserfall befindet sich direkt am Herrenhaus von Keila-Joa, das deshalb auf Deutsch den Namen „Schloss Fall“ trägt. Es ist sehr sehenswert, aber das eigentliche Highlight ist der Fluss mit Wasserfall, der in einen tollen Park eingebettet ist. Dort kann man den Wasserfall aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten und kommt, wie es auch beim Jägala juga der Fall ist, ziemlich nah heran an die in die Tiefe stürzenden Wassermassen.

Das Herrenhaus
Das Herrenhaus

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Wenn man hinter dem Herrenhaus steht, kann man den Wasserfall schon in der Ferne sehen
Wenn man hinter dem Herrenhaus steht, kann man den Wasserfall schon in der Ferne sehen
Im Park
Im Park
Wasserfall von der einen Seite
Wasserfall von der einen Seite

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Hängebrücke im Park
Hängebrücke im Park

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An dieses Verbot haben sich, wie wir feststellten, nicht alle Besucher gehalten
An dieses Verbot haben sich, wie wir feststellten, nicht alle Besucher gehalten

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Regenbogen über dem Wasserfall
Regenbogen über dem Wasserfall
Das Herrenhaus hat wirklich eine tolle Lage
Das Herrenhaus hat wirklich eine tolle Lage

Mehr von Wasserfall und Park und vor allem vom Herrenhaus sieht man in diesem YouTube-Video, untermalt von passender Musik:

Den Nachmittag nutzten wir dann für einen ausführlichen Rundgang durch Tallinn, bei dem allerdings nur wenige Bilder entstanden sind, schließlich waren wir dort schon sehr oft. Wir kauften noch ein paar Mitbringsel, sowohl für uns selbst als auch für andere. Außerdem besuchten wir natürlich den Biit Me Record Store, also den Plattenladen, auf den sich Stephan schon so lange gefreut hatte (der Plattenladenmops war leider nicht da). Was wir in Tallinn und auch an den vorherigen Urlaubstagen so alles erstanden haben, zeige ich euch demnächst.

Das moderne Tallinn
Das moderne Tallinn

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Da spiegelt sich das Hotel, in dem wir übernachtet haben, in der Fassade.
Da spiegelt sich das Hotel, in dem wir übernachtet haben, in der Fassade.

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Im Rotermanni kvartal, einem Teil der Stadt, in dem alte Fabrikgebäude eine neue Funktion bekommen haben und mit moderner Architektur kombiniert  wurden.
Im Rotermanni kvartal, einem Teil der Stadt, in dem alte Fabrikgebäude eine neue Funktion bekommen haben und mit moderner Architektur kombiniert wurden.

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In dem Gebäude rechts befindet sich ein Laden der bekanntesten estnischen Schokoladenmarke, Kalev. Diese Filiale ist mindestens doppelt so groß wie die in Tartu.
In dem Gebäude rechts befindet sich ein Laden der bekanntesten estnischen Schokoladenmarke, Kalev. Diese Filiale ist mindestens doppelt so groß wie die in Tartu.
In der Altstadt haben wir dieses Mal vor allem den Seitenstraßen unsere Aufmerksamkeit gewidmet.
In der Altstadt haben wir dieses Mal vor allem den Seitenstraßen unsere Aufmerksamkeit gewidmet.
Die litauische Botschaft
Die litauische Botschaft

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Unseren letzten Abend wollten wir mit etwas Besonderem ausklingen lassen. Deshalb gingen wir im Restaurant „Leib Resto ja Aed“ („Leib“ Restaurant und Garten, leib ist das estnische Wort für dunkles Brot) essen. Dieses wurde in den letzten Jahren mehrfach unter die 50 besten Restaurants in ganz Estland gewählt, unter anderem deshalb, weil es die estnische Küche modern interpretiert – aber ohne Schnickschnack. Wir hatten bereits am Abend zuvor einen Blick in den wunderschönen Garten geworfen und beschlossen, am nächsten Tag dorthin zu gehen. Und das hat sich wirklich gelohnt. Man sitzt dort einfach traumhaft, zwar mitten in der Altstadt, aber trotzdem total ruhig und fast wie in einem Park. An diesem Abend Ende Mai war es etwas kühl, aber ich konnte mir richtig gut vorstellen, wie toll es sein muss, am Abend eines heißen Sommertages dort zu sitzen, das ist bestimmt wie eine schattige Oase (an kühleren Tagen gibt es auf der Terrasse aber auch Decken und Heizpilze). Allein schon wegen dieses Freisitzes, wie die Sachsen sagen würden, kann ich jedem nur empfehlen, bei einem Besuch in Tallinn ins „Leib“ zu gehen. Aber auch wegen des Essens und der Getränke. Die Speisekarte ist klein und wechselt immer wieder, da besonderer Wert auf die Verwendung regionaler und saisonaler Produkte gelegt wird. Dazu ist dem Team auch die Auswahl passender Getränke zum Essen wichtig, es gibt eine sehr große Weinkarte und auch als Biertrinker wird man garantiert glücklich. Wenn man sich – wie wir – selbst nicht so gut auskennt, kann man sich von der netten und perfekt Englisch sprechenden Bedienung beraten lassen. Wir wurden gefragt, ob wir lieber Wein oder Bier trinken wollten und bekamen dann jeder ein zum Hauptgericht unserer Wahl passendes Bier empfohlen, beides sogenannte Craftbiere aus kleinen estnischen Brauereien (das, das Stephan hatte, hat selbst der hier erwähnte Schrammi Keller in Tartu nicht auf der Karte). Sie passten dann auch tatsächlich sehr gut zu dem superleckeren Essen, vor dem uns noch hausgebackenes Brot mit gesalzener Butter serviert wurde. Wir haben uns dann auch noch einen Nachtisch gegönnt, zu dem es ebenfalls Getränkeempfehlungen gab. Und mein Dessert passte auch zum Namen des Restaurants, ich hatte nämlich Crème brûlée mit Schwarzbrot und Beeren – ein Traum. Total günstig ist das Essen im „Leib“ nicht, aber auch wirklich nicht überteuert, vor allem im Hinblick auf die Tatsache, dass die Portionen größer waren als erwartet – aber auch nicht so groß, dass man keinen Platz mehr für einen Nachtisch hat. Alles in allem kann ich nur sagen: solltet ihr mal an einem warmen Tag in Tallinn sein, lasst ihn auf jeden Fall mit einem Essen im „Leib“ ausklingen, vor allem, wenn ihr ein Restaurant sucht, das nicht von Touristen überlaufen ist. Und keine Sorge, trotz der sehr persönlichen Beratung, die man fast schon als Betreuung bezeichnen kann, war die Bedienung alles andere als nervig oder aufdringlich (diese Eigenschaften treffen allgemein nur auf die wenigsten Esten zu).

Der Garten vom "Leib"
Der Garten vom „Leib“

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So sitzt man auf der Terrasse
So sitzt man auf der Terrasse

Leider mussten wir an diesem Abend schon früh schlafen gehen, denn am nächsten Morgen mussten wir um kurz vor sechs den allerersten Bus zum Flughafen nehmen. Somit verpassten wir auch das tolle Frühstück im Hotel. Aber ein solches Hotel lässt natürlich auch diejenigen Gäste, die sehr früh auschecken müssen, nicht hungrig gehen, neben der Rezeption hatte man Kaffee, Obst und Müsliriegel bereitgestellt, so dass wir uns etwas mitnehmen konnten. Im Bus zum Flughafen warfen wir einen letzten Blick auf die Straßen von Tallinn und waren sehr traurig, denn der Urlaub war viel zu kurz (das denkt man ja immer, aber bei nur einer Woche stimmt es wirklich). Am Flughafen dann gab es eine unangenehme Überraschung: die litauische Airline Air Lituanica, mit der wir über Vilnius nach Berlin fliegen sollten, hatte den Flugverkehr eingestellt. Auf der Suche nach Hilfe gerieten wir leider an eine nicht besonders stressresistente Flughafenmitarbeiterin, die darüber hinaus ziemlich schlecht Englisch (dafür aber fließend Russisch) sprach. Nach langem Hin und Her und drei Anrufen bei der Servicehotline der lettischen Air Baltic, die die Passagiere sozusagen übernehmen sollte, bekamen wir schließlich ohne weitere Kosten zwei Plätze für einen Flug über Riga, mit dem wir sogar unseren bereits gebuchten Bus von Berlin nach Leipzig noch problemlos bekamen. Das eigentlich Ärgerliche war, dass wir viel früher aufgestanden waren als letztendlich notwendig, und dass wir deshalb auf das Hotelfrühstück verzichtet hatten. Aber, wie das deutsche Ehepaar sagte, das wir am Flughafen kennenlernten, es ist doch eigentlich gar nicht schlecht, wenn der Urlaub mit so einem Ärgernis endet, denn dann fällt einem der Abschied leichter. Aber auch nicht so leicht, dass man nicht möglichst bald wiederkommen will. Bis bald, Estland!

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2 Gedanken zu “Der letzte Tag

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