Winter im Nordosten, Teil 2

Den ersten Teil des Reiseberichts hatte ich ja mit Bildern vom abendlichen Ausblick aus unserem Hotelzimmerfenster in Narva beendet, und den zweiten Teil beginne ich mit einem Bild von der gleichen Stelle – aufgenommen allerdings am Sonntag Morgen. Es hatte zwar am Abend zuvor nochmal ein kleines bisschen geschneit, aber die Temperatur lag nun über Null, und so herrschte Tauwetter.

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Nach einem guten Frühstück im durch und durch russischem Ambiente des Hotel-Frühstücksraums, in dem man zu kitschiger russischer Popmusik immerhin die estnische Ausgabe des „Postimees“ („Postbote“, Estlands wichtigste Tageszeitung) lesen konnte, machten wir eine Rundfahrt durch Narva und Umgebung. Wie beim letzten Mal schon angedeutet, hat Narva außer dem Festungspaar kaum Sehenswürdigkeiten zu bieten, aber allein schon, weil in dieser Stadt eine ganz andere Atmosphäre herrscht als etwa in Tartu, ist es durchaus interessant, sie sich genauer anzusehen. Einer der berühmtesten Söhne der Stadt ist übrigens der Schachspieler Paul Keres (1916-1975), dessen Studentenakte ich in meinem Praktikum im Ajalooarhiiv bearbeitet habe, und nach dem man in Narva eine wichtige Straße in der Innenstadt benannt hat. Auch eine Statue von ihm hat man aufgestellt, die habe ich allerdings leider nicht fotografiert. Das Wetter war an diesem Sonntag Morgen nicht besonders toll, es lag dichter Nebel über der Stadt, und bei 3 Grad verwandelte sich der Restschnee schnell in grau-braunen Matsch. Kein optimales Wetter zum Fotografieren, aber wie mein Vater, der übrigens auch zu diesem Post einige Bilder beigesteuert hat, immer sagt: „Man muss auch mal Wahrheiten abbilden“ – und genau das haben wir getan.

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Am Hafen
Die Festungsanlagen nochmal aus anderer Perspektive
Die Festungsanlagen nochmal aus anderer Perspektive

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Die "Kirche des heiligen Großfürsten Vladimir" ist heute wohl nicht mehr ganz das, was sie einmal war.
Die „Kirche des heiligen Großfürsten Vladimir“ ist heute wohl nicht mehr ganz das, was sie einmal war.
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„Richtige“ orthodoxe Kirchen gibt es in der Stadt aber natürlich auch
Das Rathaus von Narva, das im Grunde noch genau so aussah wie in meiner Erinnerung, also vor über zehn Jahren. Eigentlich könnte es ja ganz schön aussehen, aber man müsste mal was dran tun ...
Das Rathaus von Narva, das heute im Grunde noch genau so aussieht wie in meiner Erinnerung, also vor über zehn Jahren. Eigentlich könnte es ja ganz schön sein, aber man müsste mal was dran tun …
Dieses neben dem Rathaus stehende Gebäude würde ich mal als "interessant" bezeichnen
Dieses neben dem Rathaus stehende Gebäude würde ich mal als „interessant“ bezeichnen
Auch dieses Gebäude könnte durchaus schöner aussehen

Nicht weit entfernt befindet sich Narva-Jõesuu. Dieser Kurort ist kein Stadtteil von Narva (der Name bezieht sich vielmehr auf den Fluss, er bedeutet „Narva-Mündung“), sondern eine eigenständige Kleinstadt mit etwa 2.600 Einwohnern. Im 19. Jahrhundert kamen vor allem reiche Leute aus St. Petersburg und Moskau zum Baden hierher, und auch heute gibt es noch einen gewissen Badetourismus mit Spahotel und einem schönen Strand. Einen so netten Ort hätte ich kurz hinter Narva nicht unbedingt vermutet, man fühlt sich an Pärnu und andere Badeorte im Westen des Landes erinnert. Schwimmen oder Sonnen war an diesem Februarwochenende aber natürlich nicht drin. Dafür war die Ostsee jedoch mehr vereist, als wir erwartet hätten. Die Situation war zwar nicht zu vergleichen mit der, die ich im Dezember 2012 in Nordfinnland und im Januar 2013 in Pärnu erlebt hatte, als man problemlos bis weit hinaus aufs Meer laufen und sogar fahren konnte, aber die vielen einzelnen Eisstücke ergaben zusammen doch eine ganz ordentliche Schicht, auf der wir herumkletterten.

"Öffentlicher Badestrand"
„Öffentlicher Badestrand“

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Nach diesem Abstecher fuhren wir wieder nach Narva zurück (eine andere Möglichkeit gibt es dort, direkt an der russischen Grenze, sowieso nicht) und hielten unterwegs hier und da an.

Trotz des Tauwetters hielt sich die Eisschichten auf kleineren Gewässern noch ziemlich hartnäckig. Dieser Mann jedenfalls schien beim Eisangeln keine Probleme bekommen zu haben.
Trotz des Tauwetters hielt sich die Eisschichten auf kleineren Gewässern noch ziemlich hartnäckig. Dieser Mann jedenfalls schien beim Eisangeln keine Probleme bekommen zu haben.

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Kleine, bunte Bootsgaragen am Stadtrand
Kleine, bunte Bootsgaragen am Stadtrand

Der Plan für diesen Tag war, über einige Umwege wieder nach Tallinn zu fahren, wo wir eine weitere Nacht im „Shnelli“ verbringen würden. Den ersten Zwischenstopp machten wir in der Stadt Sillamäe (rund 14.000 Einwohner), die sowohl architektonisch als auch als Badeort interessant ist und ein bisschen an Võru erinnert, wo ich letztes Jahr war – nur, dass man in Sillamäe eben das Meer statt drei Seen vor der Tür hat. Allerdings war es windig, nasskalt und noch immer grau, so dass wir nicht viel Zeit dort verbrachten und im Grunde nur erahnen konnten, dass man sich im Sommer in dieser Stadt auch an den Strand legen kann.

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Danach steuerten wir einen sehr sehenswerten Ort in Ostestland an, das orthodoxe Kloster Pühtitsa im Dorf Kuremäe, das Ende des 19. Jahrhunderts gegründet wurde und in dem noch heute über 100 Nonnen leben. Die Anlage ist sehr gepflegt und interessant, man fühlt sich ein bisschen wie in einer ganz anderen Welt, denn mit der modernen Kultur der größtenteils atheistischen Esten hat das Leben dort überhaupt nichts zu tun. Dieser Facettenreichtum ist einer der Gründe, warum sich eine Reise nach Estland lohnt, durch seine geografische Lage und seine Geschichte hat das kleine Land eben noch eine ganze Menge mehr zu bieten als nur schöne Natur.

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Als nächstes ging es nach Mustvee. Diesen kleinen Ort am Ufer des Peipsi, des größten See Estlands, hatte ich im Mai 2015 zuletzt besucht, jetzt im Winter sah es dort aber ganz anders aus.

Auch der Peipsi hatte noch eine ganz ordentliche Eisschicht ...
Auch der Peipsi hatte noch eine ganz ordentliche Eisschicht …
... auf der wir in der Ferne plötzlich die Lichter eines seltsamen Gefährts auftauchen sahen ...
… auf der wir in der Ferne plötzlich die Lichter eines seltsamen Gefährts auftauchen sahen …
... , das dann immer näher kam und sich als "Eisangel-Mobil" entpuppte.
… , das dann immer näher kam und sich als „Eisangel-Mobil“ entpuppte.
Sitzbank am See. "Jõgevamaa (der Landkreis, in dem Mustvee liegt) - königliche Würde, Kraft des Kalevipoeg (der Held des gleichnamigen estnischen Nationalepos)", "Mustvee - Hauptstadt des Peipsi"
Sitzbank am See. Links steht der Slogan des Landkreises Jõgevamaa, in dem Mustvee liegt: „Königliche Würde, Kraft des Kalevipoeg (das ist der Held des gleichnamigen estnischen Nationalepos)“,  rechts steht: „Mustvee – Hauptstadt des Peipsi“
Sehr eckiger Poseidon
Sehr eckiger Poseidon
Das Schiff "Eva 300" kam mir bekannt vor. Ich hatte es im Herbst 2012 schonmal fotografiert ...
Das Schiff „Eva 300“ kam mir bekannt vor. Ich hatte es im Herbst 2012 schonmal fotografiert …
... und zwar in Tartu auf dem Emajõgi.
… und zwar in Tartu auf dem Emajõgi.

Den letzten Halt machten wir beim „Sämmi Grill„. Dieses Restaurant im Dorf Mäo haben wir früher in den Familienurlauben immer am Ankunftstag angesteuert, wenn wir vom Tallinner Flughafen in Richtung Otepää fuhren. Es ist also ein fester Bestandteil meiner Kindheitserinnerungen und hat sich in den letzten Jahren auch nur wenig verändert. Allerdings gibt es, wie wir auf dieser Reise feststellten, inzwischen eine zweite Filiale in Haljala, was direkt an der Strecke von Tallinn nach Narva liegt.

Da dieser Post jetzt schon ziemlich lang ist und es auch über den nächsten, leider schon letzten, Tag der Reise noch einiges zu berichten gibt, habe ich mich spontan dazu entschieden, das Ganze doch in drei statt nur zwei Teilen zu posten. Den dritten Teil gibt es spätestens übermorgen. Zum Abschluss gibt es heute noch einen Song, und zwar „Kroonijuveel“ (ein Titel, den man wohl nicht übersetzen muss) von Ingmar Gailit. Ich bin zwar nach wie vor kein großer Fan von Hip Hop, aber estnischer Rap hat das durchaus was, jedenfalls, wenn man die Sprache so gerne mag wie ich. Außerdem hat dieser Song großes Ohrwurmpotential, und mit Taavi Paomets, besser bekannt als Avoid Dave (den ich in meinem anderen Blog schonmal empfohlen habe), ist ein Musiker dran beteiligt, den ich sehr gerne mag.

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Ein Gedanke zu “Winter im Nordosten, Teil 2

  1. Hallo ,

    ich wollte einfach mal Danke sagen für den netten Bericht und die klasse Foto`s Ihres letzten Blogs.

    Gruß

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